Der einflussreichste Jude

Wer ist die einflussreichste jüdische Persönlichkeit die jemals gelebt hat?

Originaltitel: „The Most Influential Jewish Person Ever“ in The Chosen People – Special Edition, Bd. XXII,Ausgabe 8, aus dem Englischen übersetzt von James Peter Darby

Wer ist Ihrer Meinung nach die einflussreichste jüdische Persönlichkeit, die jemals gelebt hat? Mose, Freud, Jonas Salk, Barbra Streisand… Woody Allen? Durch die Jahrhunderte hindurch hat es viele einflussreiche jüdische Persönlichkeiten gegeben, die nicht nur auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auch auf die Welt insgesamt Einfluss genommen haben. Jeder von uns hat seine Lieblingspersönlichkeiten und Helden, aber wir können letztendlich nicht bestreiten, dass die jüdische Person, die mit Sicherheit mehr Menschen als irgendjemand anders beeinflusst hat kein anderer ist als Jesus von Nazareth! Es ist in der Tat sogar möglich, dass Sein eigenes Volk – das jüdische Volk – der Bereich ist, den Er am wenigsten beeinflusst hat. Oft ist Er missverstanden und marginalisiert worden. Die meisten jüdischen Menschen, die ich kenne, sind praktisch ohne jegliche Kenntnis dessen, was Jesus gesagt oder getan hat, aufgewachsen. Vielleicht wissen viele von uns noch nicht einmal, dass Er Jude war!

Jesus mag vielleicht keine bedeutende Rolle in unserem gemeinsamen Bewusstsein als Juden spielen, aber es gibt nichtsdestotrotz heute viele Juden, die neugierig sind, mehr über Jesus zu erfahren, und die zumindest anfangen, an Ihn zu denken als an einen lange Zeit verlorenen Bruder. Als Juden können wir es uns eigentlich nicht leisten, Ihn zu ignorieren.

Wie der Historiker Jaroslav Pelikan von der Yale Universität einmal schrieb:

Unabhängig davon, was irgendjemand persönlich von ihm halten oder über ihn glauben mag, ist Jesus von Nazareth seit fast zweitausend Jahren die dominierende Persönlichkeit in der Geschichte der westlichen Kultur gewesen. Wäre es möglich, mit einer Art Supermagnet jeden Metallfetzen der zumindest eine Spur seines Namens trägt aus dieser Geschichte zu extrahieren und zu entfernen, wie viel würde dann wohl übrig bleiben?1

Jesus hat einen tiefgreifenden und unschätzbaren Einfluss auf Ethik, Gesetzgebung, Familienleben, Theologie, Frömmigkeit, Bildung, Philosophie und Anthropologie ausgeübt, um nur einige Bereiche zu nennen. Doch ungeachtet der Tatsache, dass Jesus eine bedeutende Persönlichkeit der Weltgeschichte ist, neigen wir dazu, Seinen Lehren gegenüber unsere Distanz zu wahren. Er mag wohl ein jüdischer Mann gewesen sein … ja für die Heidenvölker sogar der Messias, aber unserer alltäglichen jüdischen Meinung nach ist Er nicht mehr als ein durchschnittlicher Rabbi des ersten Jahrhunderts, der glaubte, einige einzigartige Einsichten in die Thora zu haben, oder der bestenfalls eine Art galiläischer Mystiker war, aber ganz sicher nicht der verheißene jüdische Messias.

Die jüdische Wiederbeanspruchung der Jesus-Bewegung

Zumindest war dies bisher die gewöhnliche Sichtweise innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Doch das beginnt sich zu ändern, und zwar an mehreren Fronten. In den 1920ern begann die Hebräische Universität, Kurse in neutestamentlichen Studien zu entwickeln. Hervorragende und geniale Gelehrte wie Joseph Klausner (Onkel des bekannten israelischen Schriftstellers Amos Oz), der die monumentale Encyclopedia Hebraica herausgab, und David Flusser sowie andere, dem Mainstream zuzuordnende jüdische Gelehrte, haben diese Kurse unterrichtet, Bücher geschrieben und akademische Arbeiten über die Jüdischkeit Jesu vorgelegt. Ihnen ist es teilweise zu verdanken, dass Jesus begann, im jüdischen Leben und Denken eine Renaissance zu erfahren.

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte haben jüdische Gelehrte aktiv teilgenommen an der „jüdischen Wiederbeanspruchung der Jesus-Bewegung“. Einige dieser Gelehrten haben zusammengearbeitet um das gründliche und umfangreiche Werk The Jewish Annotated New Testament (jüdische kommentierte Ausgabe des Neuen Testaments, 2011 erschienen) zu erstellen. Jüdische Gelehrte der „Jesus-Wiederbeanspruchungs-Bewegung“ haben damit neue Wege beschritten und argumentieren, dass Jesus ein Thora-treuer, nah-östlicher Rabbi war, der das Schma Jisrael („Höre Israel…“) rezitiert hat (5. Mose 6:4, Markus 12:28-31).

Diese jüdischen Gelehrten wollen den jüdischen und christlichen Gemeinschaften helfen, das Jüdisch-sein Jesu zu verstehen. Betrachten Sie zum Beispiel die Parallelen zwischen den Lehren Jesu und denen der Rabbis der Mischna, wie sie am Schluss dieses Artikels gegenübergestellt sind.

In diesen drei Zitatpaaren finden wir Parallelen hinsichtlich der Gedanken, des Vokabulars, der Ethik und der Theologie. Jesus ist alles andere als heidnisch. Sein hebräischer Name lautet Jeschua, und er ist in der Tat ein Sabra (ein im Land geborener Israeli) der die Synagoge besuchte, die jüdischen Feiertage und den Sabbat einhielt und eine tiefe Liebe zu seinen jüdischen Volksgenossen hatte. Würde Er heute leben, würden wir auf Jiddisch sagen, dass Jeschua „a mensch“  (eine edle, rechtschaffene Person) sei!

Das Ziel der jüdischen Jesus-Wiederbeanspruchungs-Bewegung ist es, den Menschen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die Jesus vernachlässigt haben, zu helfen, Ihn als einen Juden zu sehen, der große Weisheit hatte, um diese mit Seinem Volk zu teilen. Doch die scheinbare Vernachlässigung oder das scheinbar mangelnde Bewusstsein der Jüdischkeit Jesu stellt nicht nur innerhalb der jüdischen Gemeinschaft ein Problem dar, sondern auch unter Christen. Im Lauf der Geschichte hat das Christentum die Jüdischkeit des Einen, den so viele für den Retter der Welt halten, minimiert.

Wir begrüßen es, dass die Wiederbeanspruchungs-Bewegung ein Verständnis dafür hat, dass man Jesus und Seine Lehren nicht verstehen kann, ohne Jesus durch eine jüdische Linse zu betrachten! Allem, was Er während Seiner drei Jahre Dienst und Lehre sagte und tat, liegt Sein historischer und religiöser Kontext, in dem er lebte, zugrunde. Ohne Jesus als Juden zu sehen, wäre es schwierig, Ihn in seiner ganzen Tiefe zu verstehen.

Die moderne jüdisch-messianische Bewegung

Es gibt aber noch eine andere Bewegung innerhalb der jüdischen Welt, die gegenwärtig ebenfalls stattfindet. Einige Juden lesen die Lehren Jesu im Neuen Testament und entdecken dabei einen Rabbi, der nicht nur Milliarden Menschen in unserer Welt beeinflusst, sondern auch das Leben Seiner wahren Nachfolger auf einer tiefen persönlichen Ebene transformiert, die weit über die des religiösen Rituals hinausgeht. Sie erkennen in Jesus einen Mann, der den Hoffnungslosen Hoffnung gibt, den Verwirrten Antworten, und denen, die durch die Herausforderungen des Lebens am Boden sind, Ermutigung.

Es ist nahezu unmöglich, die Worte Jesu in so tröstlichen Passagen wie: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11:28) zu lesen und sie in Einklang zu bringen mit den Taten derer, die das jüdische Volk verfolgt haben. Jüdische Gläubige an Jeschua distanzieren sich von denen, die in Seinem Namen böse Taten begingen und zu Unrecht behaupteten, Seine Nachfolger zu sein.

Wenn Jesus zu der jüdischen Volksmenge, die Essen für den Leib und Nahrung für die Seele sucht, sagt: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt wird nicht hungern und wer an mich glaubt wird nie mehr dürsten“ (Johannes 6:35), erkennen sie, dass Jeschua ihnen weit mehr anbietet als Essen und Trinken. Diese jüdischen Menschen kommen zu Jesus, nicht um Stoff für Pilpul (eine haarspalterische Argumentationsweise jüdischer Schriftgelehrter), sondern um eine Sabbatruhe für ihre Seelen zu finden. Er ist der, der die stürmischen Wellen des Galiläischen Meeres beruhigt hat, und Er ist  in der Lage, die stürmischen Wellen von Angst und Sorge, die gewöhnliche Männer und Frauen – Juden wie Nicht-Juden – konfrontieren, zu besänftigen.

Im Lauf der letzten zwei Jahrhunderte sind immer mehr jüdische Menschen zu dem Glauben gekommen, dass Jesus der verheißene Messias Israels ist. Heute gibt es weltweit Hunderttausende  jüdische Männer und Frauen die glauben, dass Jesus der Messias ist. In früheren Jahren wäre das vermutlich etwas Unerhörtes, noch nie Dagewesenes gewesen, wiewohl es einigen Historikern zufolge direkt vor den verheerenden Jahren des Holocaust in Europa eine explosive Zunahme des Glaubens an Jesus gegeben hat. Heute sehen wir auch eine wachsende Anzahl von Israelis die an Jesus glauben. Es gibt eine Vielzahl von Stimmen die proklamieren, dass es koscher ist, das Jüdisch-Sein mit dem Glauben an Jesus zu verbinden. Und es ist nur der Anfang!

Gründe zu glauben

Erstens ist da die Erkenntnis, dass Jesus einer von uns ist; Er ist jüdisch!

Die jüdische Jesus-Wiederbeanspruchungs-Bewegung hat klar gemacht, dass Jesus jüdisch war. Dies ist schon ein gewaltiger Schritt dahin, die „Messiasfrage“ letztendlich zu klären, da nach dem Verständnis der Juden der Messias jüdisch sein muss. Er sollte ein Nachkomme Abrahams sein, aus dem Stamm Juda, und ein echter Sohn König Davids. Dass dies auf Jesus zutrifft sehen wir bereits vom allerersten Vers des Neuen Testaments an, wo Matthäus, einer der Jünger Jesu, schreibt: „Buch der Abstammung Jesu, des Messias, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams…“ (Matthäus 1:1).

An Jesus zu glauben ist etwas zutiefst Persönliches und Spirituelles, und es ist das Herz unserer Beziehung zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Es geht hier um weit mehr als um eine bloße akademische Übung. Wenn Jesus der Messias ist, und unser Weg zu Gott, dann berührt die Frage, wer Er ist, unsere Seele weit über Fragen der Identität und selbst der Gemeinschaft hinaus. Das ist der Grund, warum ihr Glaube an Jesus messianische Juden dazu bewegt, alles zu riskieren und, wenn nötig, es in Kauf zu nehmen, dass Freunde und Familienangehörige sie missverstehen und mit Zorn reagieren, alles um dem Einen nachzufolgen, von dem sie nun glauben, dass Er der Messias sei.

Eine weitere Gemeinsamkeit, die man unter an Jesus gläubigen Juden findet, ist eine neue Bereitschaft, sich zu ändern und sich Gott und seinem Nächsten gegenüber anders als vorher zu verhalten.

Indem wir an Jesus glauben, begegnen wir nicht nur Gott, sondern wir setzen uns auch mit einigen sehr schwierigen Wahrheiten über uns selbst auseinander.

Als Kind wurde ich sowohl in der Bibel als auch im Talmud unterwiesen. Ich bin ein Jude, aber mich begeistert die Lichtgestalt des Nazareners … Niemand kann die Evangelien lesen, ohne die tatsächliche Gegenwart Jesu zu spüren. Seine Persönlichkeit pulsiert in jedem Wort. Kein Mythos ist mit solchem Leben erfüllt. Jesus ist zu kolossal für die Feder von noch so kunstvollen Phrasendreschern. – Albert Einstein, aus „What Life Means to Einstein“ (Was das Leben für Einstein bedeutet), Zeitungsartikel aus The Saturday Evening Post, 26. Oktober 1929.

All der Schmerz, die Einsamkeit, die Verwirrung und die Leere, die unsere Seelen so oft plagen, entspringen demselben Grundproblem – der Sünde. Wir sind unfähig, uns so zu verhalten, wie Gott es will, und leiden daher unter den Konsequenzen. Er will, dass wir Frieden haben – Schalom! Gott hat uns dazu erschaffen, Ihn zu genießen und unsere Mitmenschen zu lieben. Schließlich hat Gott den ersten Mann und die erste Frau in den Garten Eden gesetzt. Gottes Plan für die Menschheit war, in einer vollkommenen Beziehung zu Ihm und zueinander zu leben. Aber wir haben ähnliche Entscheidungen getroffen wie unsere Vorfahren und haben unseren eigenen Weg eingeschlagen (Jesaja 53:6) und nicht Gottes Weg, und haben zuallererst unseren eigenen Vorteil gesucht und die Interessen unserer Mitmenschen hintangestellt.

Juden, die auf Jesus vertrauen, erfahren die Wiedergeburt spirituellen Lebens, da Er derjenige ist, den Haschem (wörtlich: „der Name“, ein Begriff den viele Juden für Gott verwenden) gesandt hat, um für unsere Sünden zu sterben und uns zu Ihm hin zu wenden. Jesus, als Mittler zwischen Gott und den Menschen, befähigt uns, uns einer Beziehung zu einem heiligen Gott zu erfreuen, die wir anders nicht erreichen könnten. Durch Sein Opfer wird uns vergeben und werden wir innerlich gereinigt, und zwar auf Dauer und nicht nur an Jom Kippur – dem Tag der Sühne! Jesus hat all unsere Sünden gesühnt, ein für alle Mal! Wir mögen fasten und uns an die Brust schlagen, doch alles Trauern über unsere Sünden wird wenig bringen, denn Er hat für uns getan, was wir niemals für uns selbst hätten tun können, indem Er für unsere Sünden gestorben ist. Wir sind zwar fähig, Buße zu tun, aber das wird unsere Seele niemals völlig reinigen können. Wir brauchen mehr als Buße – wir brauchen Sühnung, und Jeschua hat dies möglich gemacht durch Sein Opfer.

Er ist die alltägliche Antwort auf alltägliche Fragen und Probleme. Indem wir Jeschua nachfolgen, begegnen wir Gott so, wie wir es nie für möglich gehalten hätten. Und diese Begegnung transformiert uns von innen heraus. Wenn wir uns Gott zuwenden, durch Jeschua den Messias, und auf Sein Opfer für unsere Sünden vertrauen, wird uns vergeben und wir werden für immer erneuert!

Jesus ist nicht nur die einflussreichste jüdische Persönlichkeit, die je gelebt hat, sondern Er ist die einflussreichste Person überhaupt, die jemals gelebt hat.

Wir hoffen, dass Sie die Bibelverse und die Geschichten von anderen Menschen, die an Jeschua als Messias glauben, lesen werden und dass Sie in den Genuss von Gottes größtem Geschenk an die Menschheit kommen werden – Errettung und ewiges Leben durch den jüdischen Messias – für alle!

Parallelen zwischen den Lehren Jesu und denen der Rabbis der Mischna

JESUS SAGTE: DIE RABBINER SAGTEN:
„Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.“ Matthäus 6:1

 

„Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird mit einem törichten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute, und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groß.“ Matthäus 7:26-27

„Betet ihr nun so: ´Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel – so auch auf Erden!´“ Matthäus 6:9-10

Antigonos von Socho: „Seid nicht wie Knechte, die dem Meister nur unter der Bedingung dienen, dass sie eine Belohnung empfangen, sondern (seid) wie Knechte, die dem Meister dienen, nicht unter der Bedingung, dass sie eine Belohnung empfangen. Und lasst die Furcht des Himmels auf euch sein.“ Avot 1:3

Rabbi Eleazar b. Azariah: Er pflegte zu sagen: „Ein Mensch, dessen Weisheit größer ist  als seine Taten – womit ist er zu vergleichen? Mit einem Baum, der reichlich Laub trägt aber wenig Wurzeln hat. Wenn die Winde kommen, werden sie ihn entwurzeln und umwehen.“ Avot 3:17

Judah b. Tema: „Sei stark wie ein Leopard, schnell wie ein Adler, flink wie eine Gazelle und mutig wie ein Löwe, um den Willen deines Vaters, der im Himmel ist, auszuführen.“ Avot 5:20


1   Jaroslaw Pelikan, “Jesus through the Centuries: His Place in the History of Culture” (Jesus durch die Jahrhunderte: Sein Platz in der Kulturgeschichte), New Haven: Yale University Press, 1985, 1.


Quellen:

Asch, Sholem. One Destiny: an Epistle to the Christians (Eine Bestimmung: eine Epistel an die Christen). Übersetzt von Milton Hindus. New York: G.P. Putman´s Sons, 1945.

Buber, Martin: Two Types of Faith (Originaltitel: Zwei Glaubensweisen). Übersetzt von Norman P. Goldhawk. New York. The Macmillan Company, 1951.

www.andyrossagency.wordpress.com

www.jewishvoice.org

www.tentmaker.org

www.thejewishweek.com