Jüdische Eschatologie

Jesus hat recht häufig über die Zukunft gesprochen, denn es war eines seiner Lieblingsthemen. Schließlich ist Er der größte von allen Propheten (5. Mo. 18,15ff).

In Matthäus 24, 32-33 sagt Jesus:

„Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon saftig wird und Blätter treibt, so erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht, so erkennt, dass er nahe vor der Türe ist.“

Als Nachfolger Jesus, des Messias, ist es u.a. unsere Aufgabe, mehr über unsere biblische Zukunft und das kommende Königreich zu erfahren. Wir sind nicht nur Teil von Gottes Welt heute, sondern haben auch eine Starrolle in Seiner ewigen Geschichte zu erfüllen! Nach unserem besten Vermögen müssen wir entdecken, was Er geplant hat, und der Zukunft erlauben, unsere heutige Lebens- und Dienstweise zu prägen. Der Erlöser ruft Seine Nachfolger, heute im Licht von Morgen zu leben. Auch für das jüdische Volk ist die Zukunft gemäß der Bibel wichtig gewesen, seit der heilige Text von Moses und den Propheten vor Tausenden von Jahren niedergeschrieben wurde.

Für ein jüdisches Verständnis der Zukunft ist die Vorstellung, dass diese Welt derzeit nicht so ist, wie sie sein sollte, von zentraler Bedeutung. Heutzutage prägen Schwerter und Speere noch die Beziehungen zwischen den Nationen, doch die Bibel sagt uns, dass die Kriege eines Tages aufhören werden (Jesaja 2,4)! Unsere Erfahrungen mit persönlichen Niederlagen und  Schwächen sowie der Einfluss der Sünde auf die Gesellschaft werden zu einem Ende kommen. Gepriesen sei Sein Name!

National gesehen hat das jüdische Volk mehr Jahre im Exil als in seinem Heimatland verbracht, was sicherlich entgegengesetzt zu dem ist, was Gott Abraham verheißen hat (1. Mose 15). Das Exil brachte die Diaspora und nationale Demütigung, aber eines Tages wird diese Tatsache sich umkehren, wenn Gott Sein Volk in das Heilige Land zurückbringt. Zu der Zeit wird das jüdische Volk in vollkommenem Frieden mit seinen Nachbarn leben. Wir können leicht behaupten, dass diese Rückkehr in das Land Israel schon begonnen hat. Dennoch sind die Dinge jetzt noch nicht so, wie sie einmal sein werden, da es noch keinen vollkommenen Frieden für das jüdische Volk in Israel gibt. Aber dieser Tag wird kommen!

Neuzeitliche jüdische Ansichten

Es ist schwierig, moderne jüdische Ansichten über die Zukunft zu verstehen, da es wenig Konsens über dieses Thema gibt. Die liberaleren Formen des Judentums spielen die besonderen Ereignisse, die die Bibel als Endzeitereignisse beschreibt, herunter und richten heute ihr Augenmerk auf die Besserung oder Heilung der Welt (tikkun olam). Andererseits wird das Zukunftsverständnis des klassischen Judaismus, wie ihn die orthodoxen Gemeinden praktizieren, Studenten des Wortes Gottes mehr vertraut sein.

Der klassische Judaismus glaubt, dass die Endzeit eine Aufhebung bzw. Wende des jüdischen Exils sowie die Wiederherstellung des davidischen Königreiches unter der Herrschaft des Messias zur Folge haben wird. Statt unter dem Fluch des Exils zu leben, wird Israel im Licht der Segnungen leben, die in der Bibel verheißen sind (5. Mose 28, 1-14; 30, 1-10). Antisemitismus wird der Vergangenheit angehören (Micha 4,4; Sacharja 8,23), und Jerusalem wird wiederhergestellt und den rechtmäßigen Platz im Plan Gottes einnehmen (Jesaja 60). Alle Feinde Israels werden durch eine Serie von Endzeitkriegen, in denen Gott für Sein auserwähltes Volk kämpfen wird, zerstört werden (Sacharja 12, Hesekiel 38-39). Gerechte jüdische Menschen aus allen Zeitaltern der Geschichte werden auf wundersame Weise aus ihren Gräbern auferstehen (Daniel 12,2), um in Harmonie und Frieden für ewig zu leben.

Als Gläubige an Jeschua und solche, die die Autorität des Alten und des Neuen Testamentes anerkennen, verstehen wir natürlich, dass die herrliche Zukunft, die Gott für das jüdische Volk bereitet hat, erst dann eintreffen wird, wenn die Juden den Messias Jeschua angenommen haben. So schreibt Paulus:

„Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden …“ (Römer 11, 25-26).

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das jüdische Volk traditionell nicht an das zweimalige Kommen des Messias glaubt, obwohl es im Judentum ein Lehre über einen zukünftigen leidenden Messias gibt und über einen anderen Messias, der kommen wird, um als König zu regieren. Der Judaismus bringt jedoch das Kommen des Messias und das zukünftige Königreich mit den Festen Israels in Zusammenhang. Einige jüdische Traditionen rechneten damit, dass der Messias am Vorabend von Pessach kommen würde, ein Messias, der das jüdische Volk aus dem Exil herausführen würde, so wie Moses das Volk aus Ägypten herausgeführt hat. Interessanterweise sehen wir die Erfüllung dessen in dem Erscheinen des Lammes Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt (Johannes 1,29).

Andere jüdische Traditionen weisen hin auf den Schall einer großen Posaune (Schofar – Widderhorn), der aus dem Himmel kommt, und bringen dies in Verbindung mit Rosch HaSchana (dem Neujahrsfest) und der Ankündigung des Messias, der als der wahre König Israels regieren wird.

Die folgenden Verse des Apostels Paulus reflektieren deutlich diese Erwartung:

„Denn der Herr selbst wird mit einem lauten Befehl, unter dem Ruf des Erzengels und dem Schall der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen. Dann werden zuerst alle Gläubigen, die schon gestorben sind, aus ihren Gräbern auferstehen.“  Thessalonicher 4,16)

Jedoch das Fest, das gemäß der Bibel und der jüdischen Tradition am meisten mit der zukünftigen messianischen Erlösung Israels und den Nationen assoziiert wird, ist das Laubhüttenfest (Sukkot). Sacharja sagt voraus, dass alle Nationen der Erde nach Jerusalem kommen werden, um den Herrn während des Laubhüttenfestes anzubeten (Sacharja 14,16-19) und schließlich in der Gegenwart Gottes, der dann unter den Menschen wohnen wird, zu feiern.

Die temporären Laubhütten, die das jüdische Volk während dieser Festtage errichtet, erinnern uns an unsere menschliche Schwachheit und weisen auf die bleibende Gegenwart Gottes während des Messianischen Zeitalters auf der Erde hin.

Die (biblischen) Feste sind ein Fahrplan zur Erlösung und richten unseren Sinn und unsere Herzen auf das aus, was kommen wird. So sicher wie Jesus einmal gekommen ist, so sicher wird Er wiederkommen! Als jüdische und heidenchristliche Gläubige an Jeschua finden wir Vieles über die letzte Zeit im traditionell jüdischen Verständnis, das wir erwartungsvoll bejahen können.

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