Sukkot – Wo Gott wohnt.

Vor einiger Zeit stellte ich mir die Frage, wo Gott eigentlich wohnt. Auf den ersten Blick scheint diese Frage entweder irrelevant oder zu einfach zu beantworten zu sein. Gott wohnt doch im Himmel, oder? Und es gibt doch da auch noch den Tempel, beziehungsweise gab es mal den Tempel und da hat Gott ja auch irgendwie gewohnt. Oder wohnt Gott etwa gar nirgends? Oder überall und sogar in uns drin?

Machen wir uns doch gemeinsam auf eine Entdeckungsreise durch die Bibel, um herauszufinden, wo sich Gottes Wohnung befindet und was das für uns bedeuten kann.

Wir befinden uns gerade in der Zeit von Sukkot – dem Laubhüttenfest. Hier geht es auch ums „Wohnen“. Das Volk Israel wohnte in Laubhütten in der Wüste und erinnert sich auf ganz besondere Weise an diese Zelte und daran, wie unbeständig das Leben mitsamt festen Häusern doch sein kann. Gleichzeitig ist Sukkot ein Erntedankfest, wo man Gott dankbar für seine Fürsorge, Versorgung und seinen Schutz ist.

Gottes Herrlichkeit

Das Volk Israel wandert durch die Wüste. Ihren Gott haben sie schon auf machtvolle Weise erfahren, als er sie vor den Ägyptern rettete. Und nun ist seine Gegenwart spürbar und sichtbar bei ihnen auf ihrer Wanderung. Bei Nacht in Form einer Feuersäule, am Tag als Wolkensäule. Irgendwie wohnt Gott in diesen Naturerscheinungen und führt sein Volk so durch die Wüste, beschützt es mit dem Schatten der Wolke seiner Gegenwart. Und doch ist dem Volk Israel klar: Gott selbst können sie gar nicht begegnen – er selbst ist zu heilig, zu groß, zu unfassbar. Seine Herrlichkeit ist es, die sich in seinen wunderbaren Taten zeigt und die er seinem Volk zugänglich macht.

Und dann will Gott zu dem ganzen Volk sprechen und ihnen das Gesetz verkündigen. Ein riesiges Spektakel: „Der Berg aber brannte im Feuer bis ins Herz des Himmels, und da war Finsternis, Gewölk und Dunkel. Und der HERR redete zu euch mitten aus dem Feuer. Die Stimme der Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war zu hören.“ (4. Mose 4,11.12)

Das Volk Israel fürchtete sich. Wer kann Gott aus dem Feuer reden hören und am Leben bleiben? Gottes Herrlichkeit zeigt Gottes Heiligkeit und Größe. Gott ist herrlich und heilig und nicht mit menschlichen Kategorien fassbar – und doch will er uns Menschen begegnen. Gott will sich seinem Volk Israel offenbaren, mit ihm sprechen, ihm nahekommen.

Mitten im Volk – das Zelt der Begegnung

Gott ist bei seinem Volk in der Wüste in Form einer Wolke. Doch das ist ihm nicht genug. Er bestimmt einen Ort als Ort der Begegnung und Offenbarung: Das Zelt der Begegnung.

„Und ich werde dort den Söhnen Israel begegnen, und es wird durch meine Herrlichkeit geheiligt werden. Und ich werde mitten unter den Söhnen Israel wohnen und ihr Gott sein.“ (2. Mose 29,43.45)

Gott ist seinem Volk nah und gleichzeitig kann man sich ihm als Mensch nicht einfach so nähern. Deshalb schafft er einen Ort, an dem mit Mose stellvertretend zum Volk spricht, aber wo auch das Volk Gott begegnen kann, indem sie ihm Opfer darbringen.

Gott liebt Gemeinschaft!

In der Tora wird beschrieben, dass Gott sogar mitten im Lager „umherging“. Er wollte also richtig mitten im Volk sein. Aber das Lager der Israeliten musste heilig sein, „dass er nichts Anstößiges unter dir sieht und sich von dir abwendet.“ (5. Mose 23,15)

Er ist nicht greifbar für uns, sondern erhaben über alles. Aber er macht sich für uns Menschen greifbar. Er will uns begegnen und sich uns offenbaren.

David und Samuel: Wer baut wem ein Haus?

Eines Tages sah König David seinen eigenen Reichtum und seinen wundervollen und kostbaren Palast und bemerkte, dass die Bundeslade Gottes hingegen in einem einfachen Zelt wohnte. Wie kann das sein? Er beschloss ein Haus für Gott zu bauen, doch durch den Propheten Nathan sprach Gott zu David:

„So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen als Wohnung für mich? Wahrhaftig, nie habe ich in einem Haus gewohnt von dem Tag an, als ich die Söhne Israel aus Ägypten heraufgeführt habe, bis zum heutigen Tag; sondern ich bin umhergezogen in Zelt und Wohnung.

Und ich bin mit dir gewesen überall, wohin du gegangen bist, und habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet. Und ich mache dir einen großen Namen gleich dem Namen der Großen, die auf Erden sind. Und ich verschaffe dir Ruhe vor all deinen Feinden. So verkündigt dir nun der HERR, dass der HERR dir ein Haus machen wird.“

(2. Samuel 7,5-6.9.11)

Unglaublich! Gott geht es gar nicht um eine schöne Wohnung, sondern ihm ist es viel wichtiger, mit seinem Volk Israel zu sein. Gott liebt Gemeinschaft und schenkt uns seine Gegenwart. Er verzichtet auf ein prunkvolles Haus und verspricht stattdessen David, ihm ein Haus zu bauen. Was bedeutet das? Geht es hier um ein Haus aus Steinen, einen Palast?

Als Haus bezeichnete man nicht nur das Gebäude, sondern auch die Familie, die Nachkommen, die Dynastie. Gott verspricht David, sein Königtum zu festigen. Er hat einen Plan mit Davids Nachkommen. Aus dem Geschlecht Davids wird eines Tages der Messias kommen. Und wie wir wissen hat sich diese Verheißung in Jeschua ben David erfüllt. Auch Jeschua kam nicht, um sich dienen zu lassen, sondern um anderen zu dienen! (Matthäus 20,28)

Himmel und Erde

Salomo baute einen prachtvollen Tempel für Gott. Und obwohl er in einer langen Festrede vor dem Volk Israel die Wichtigkeit dieses Ortes ausmalte, betonte er doch immer wieder, dass dies nur eine Stätte sei, an dem Gottes Name verherrlicht wird.

Er bekennt: „Ja, sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe!“ (1. Könige 8,27)

Er bittet Gott darum, dass wenn jemand sich im Tempel oder Richtung Tempel an Gott wendet: „Dann höre im Himmel, der Stätte, wo du thronst, ihr Gebet und ihr Flehen und schaffe ihnen ihr Recht!“ (1. Könige 8,49)

Dennoch ist der Ort ein besonderer Ort: Gott will seinen Namen dort wohnen lassen. Wofür steht sein Name? Der Name steht für Gottes Person, aber auch für seine Herrlichkeit und seine Gegenwart. So wie Gottes Gegenwart beim Volk in der Wüste war und schließlich im Zelt der Begegnung, so erfüllte auch die Wolke der Herrlichkeit des Herrn den Tempel. (1. Könige 8,10)

Die Herrlichkeit des Herrn oder seine Gegenwart wird im Hebräischen als Schechina bezeichnet. Dieses Wort leitet sich von שכן ab, welches wohnen oder zelten bedeutet. Dort wo Gott seinen Namen zelten lässt, dort ist seine Gegenwart.

Auf eindrucksvolle Weise wird diese an vielen Stellen im Buch Hesekiel beschrieben.

Der Tempel Salomos wurde zur Zeit des Laubhüttenfests eingeweiht. Das Laubhüttenfest ist eines der Pilgerfeste und ganz Israel kommt in Jerusalem zusammen, um in Laubhütten zu wohnen und Gott zu danken. Doch nicht nur das Volk kommt und zeltet oder wohnt zusammen, auch Gott kommt und wohnt bei den Menschen. Das ist doch gerade die Funktion des Tempels! Gott möchte uns Menschen begegnen und mitten unter uns wohnen. Auch dafür können wir Gott danken, wenn wir in dieser Woche in einer Laubhütte sitzen!

Und so vermischte sich zu Zeiten Salomos die Sukkotfreude mit der Freude über die Einweihung des Tempels. Was für ein Fest!

Gott zu Besuch bei den Menschen

Dass Gott uns Menschen nahe sein und unter uns wohnen möchte, bekommt eine ganz intensive Bedeutung als Gott selbst Mensch wird:

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1,14)

Das griechische Wort für „wohnen“ hier kann auch als „zelten“ übersetzt werden und beinhaltet die gleiche Bedeutung wie das hebräisch Wort שכן („wohnen“). Gott kommt: Er wohnt und zeltet unter uns, mitten unter uns. In Jeschua können wir Gottes Herrlichkeit begegnen. Nicht in Form einer Wolke, sondern durch seinen göttlichen Geist.

„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kolosser 2,9)

Sukkot ist ein Fest der Gemeinschaft und der Freude. Johannes schreibt von der Gemeinschaft, die wir untereinander und mit Gott durch Jeschua haben. Diese Gemeinschaft ist die größte Freude, die man haben kann:

„Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.“ (1. Johannes 1,3-4)

Nicht ohne Grund wird Sukkot von vielen messianischen Juden als der Geburtstag von Jeschua angesehen – nicht dass dies biblisch unbedingt nachprüfbar wäre, es passt einfach so gut zu diesem Fest: Gott kommt und besucht sein Volk!

Tempel des Heiligen Geistes

Wir leben seit fast 2000 Jahren in einer Zeit, wo es keinen Tempel mehr gibt und auch Jeschua lebt nicht mehr als Mensch unter uns. Ist Gott nun weit entfernt im Himmel oder kann man auch heute noch Gemeinschaft mit ihm haben? Oder besser gefragt: Will er heute noch Gemeinschaft mit uns haben?

Bevor Jeschua in den Himmel aufgefahren ist, versprach er seinen Jüngern und allen, die an ihn glaubten, dass er sie nicht alleine lassen würde, sondern dass er ihnen seinen Geist geben würde. So geschah es am darauffolgenden Schavuot, was heute als Pfingsten bekannt ist: Der Heilige Geist wurde ausgegossen und seitdem wohnt der Geist Gottes in jedem, der an Jeschua glaubt. Und noch viel mehr:

Wir werden sogar als der Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet!

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1. Korinther 3,16)

Gemeinsam mit allen anderen Gläubigen, sowohl den jüdischen Gläubigen als auch den nichtjüdischen, sind wir zu einem Tempel vereint, wie es im Epheserbrief beschrieben wird:

„Denn durch ihn haben wir alle beide in „einem“ Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,18-22)

Was bedeutet das konkret?

  1. Durch den Geist Gottes sind wir ständig mit Gott verbunden und haben Gemeinschaft mit ihm.
  2. Den Geist Gottes in sich wohnen zu haben, bedeutet ein Leben in Reinheit und Heiligkeit und Gottesfurcht zu führen.
  3. Wenn wir der Tempel des lebendigen Gottes sind, können andere Menschen Gott durch uns begegnen.

Das Zelt Gottes – Blick in die Ewigkeit

An Sukkot blicken wir in die Zukunft und erwarten gespannt, dass unser Herr Jeschua wiederkommt und sein ewiges Königreich sichtbar aufrichtet und wir in Ewigkeit Gemeinschaft mit ihm haben werden.

Johannes sieht in der Offenbarung das neue Jerusalem:

„Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. […] Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offenbarung 21,2-3.22-23)

Endlich wird die Gemeinschaft mit Gott vollkommen und ungehindert sein! Gott selbst wird im himmlischen Jerusalem wohnen. Er selbst wird der Tempel sein. Es wird nichts mehr zwischen Gott und den Menschen stehen. Gottes Herrlichkeit wird nicht mehr von einer Wolke verdeckt werden, sondern wir werden ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und in seinem Licht leben.

Das neue Jerusalem als Hütte Gottes bei den Menschen – erinnert das nicht an eine große Sukka? Dort werden wir Gemeinschaft untereinander haben und mit Gott. Wie wundervoll! Was für eine Hoffnung!

In diesem Sinne: Chag Sukkot Sameach! Ein fröhliches Sukkot-Fest!

Deborah Sommer