Chronologische Übersicht namhafter jüdischer Christen der letzten fünf Jahrhunderte

Wie viele christusgläubige Juden leben in den Vereinigten Staaten?

von den Herausgebern, 2. März 2002

Jim Sibley, Southern Baptist Koordinator jüdischer Dienste, und Arnold Fruchtenbaum, Direktor der evangelistischen Ariel Ministries, schätzen, dass es insgesamt 100.000 sind, doch der jüdische Rat ‘Jewish Community Relations Council’ von New York behauptet, dass allein im Laufe der letzten 20 Jahre 100.000 sich bekehrt haben. Susan Pearlman von Juden für Jesus gibt die Anzahl mit 60.000 bis 75.000 an, doch Jews for Judaism [Juden für Judaismus] behauptet, es seien 300.000, eine sehr hohe Zahl. (Jüdische Gruppen neigen dazu, die Anzahl höher einzuschätzen, vielleicht weil ihre Definition von “Christen” weiter gefasst ist.)

Im Vergleich dazu schätzte der American Jewish Identity Survey [amerikanische Studie zu jüdischer Identität], dass 5,3 Millionen Erwachsene sich als jüdisch bezeichnen, von denen etwa 420.000 orthodox sind. Felix Posen von der Stiftung ‘Posen Foundation’, die die Studie sponserte, kam zu dem Schluss, dass die in der Studie erhobenen Befunde zeigen, dass “Juden die sich nicht mit den Hauptströmungen des Judaismus identifizieren [nicht länger] ignoriert werden sollten, als handele es sich um unbedeutend kleine Zahlen”.

Es ist außerdem an der Zeit, damit aufzuhören, Juden, die sich zum Christentum bekehren, abzutun als solche, die diesen Schritt aufgrund von persönlichen oder familiären Problemen getan haben oder aus dem Wunsch heraus, etwas Aufregendes zu erleben, oder aus eigennützigem Ehrgeiz heraus.

Es hat ganz klar Zeiten gegeben, in denen eine freiwillige Bekehrung materielle und berufliche Vorteile nach sich zog. Es ist aber ebenso klar, dass dies heute in den Vereinigten Staaten nicht der Fall ist. Und im Lauf der Jahrhunderte waren die persönlichen Nachteile, die oft mit einer Bekehrung einher gingen – Familie und Freunde verlassen und den etablierten Lebensunterhalt aufgeben, während man von Leitern der jüdischen Gemeinde drangsaliert wurde – im Allgemeinen weitaus schwerwiegender als etwaige persönliche Vorteile, die man erlangte. In den meisten Fällen waren nur diejenigen, die davon überzeugt waren, dass sie sich zugunsten einer größeren Wahrheit von einer Teilwahrheit abwandten, dazu bereit, sich von ihrem vertrauten sozialen Umfeld zu verabschieden und quasi ins Exil zu gehen.

Diese chronologische Übersicht enthält kurzgefasste biografische Informationen über einige der vielen namhaften jüdischen Christen – jüdisch von ihrer Volkszugehörigkeit her, christlich von ihrer theologischen Ausrichtung her – der letzten 500 Jahre. Diese Liste beschränkt sich auf solche, die sich persönlich für den christlichen Glauben entschieden haben, in ihrem Beruf oder durch ihre Veröffentlichungen Bedeutendes geleistet haben und danach von einigen als Verräter beschimpft, von anderen als Helden verehrt wurden.

Teile der unten angegebenen Informationen sind in Büchern und auf Webseiten zu finden, aber entweder wurde bisher keine Gesamtliste veröffentlicht, oder diese ist an irgendeinem, für die Nachforschungen von WORLD über die letzten drei Monate unzugänglichen Ort ‘verbuddelt’.

1506
Alfonso de Zamora, ein ehemaliger Rabbi, wird getauft. In Zusammenarbeit mit Paul Nunez Coronel und Alfonso d’Alcala, zwei weiteren jüdischen Christen, hilft er mit seinen Kenntnissen der hebräischen, aramäischen, chaldäischen und anderer Sprachen bei der Erstellung eines sechsbändigen mehrsprachigen Werks, das als Polyglott-Bibel bekannt wird. Außerdem verfasst er eine hebräische Grammatik, ein hebräisches Wörterbuch, ein Wörterbuch des Alten Testaments und eine Abhandlung über hebräische Rechtschreibung.

1507
Johannes Pfefferkorn, der sich zwei Jahre zuvor in Köln bekehrt hatte, verfasst den Judenspiegel, in dem die Judenverfolgung verurteilt wird, aber in dem der Talmud sowie viele jüdische Gebräuche auch als anti-biblisch bezeichnet werden.

1522
Antonius Margaritha, Sohn eines deutschen Oberrabbiners, bekehrt sich zum christlichen Glauben und verfasst bald darauf ‘Der ganz Judisch Glaub’ (der ganze jüdische Glaube), eine kritische Untersuchung jüdischer Gebräuche and Gemeinschaftsstrukturen.

1540
Johann Harzuge druckt im polnischen Krakau ein Neues Testament mit einer hebräischen Übersetzung. In den nächsten paar Jahren danach bringen Paul Halicz, Paul Emulio und Michael Adam ebenfalls hebräische und jiddische Übersetzungen des Neuen Testaments heraus.

1546
Johannes und Stephan Isaac, Vater und Sohn, bekehren sich zum lutherischen Glauben aber haben danach Schwierigkeiten, sich zwischen diesem und dem römisch-katholischen Glauben zu entscheiden. Beide werden Katholiken. Johannes wird Hebräisch-Professor an der Universität Köln und Stephan wird Priester, aber 1582-1583 wendet sich Stephan in Predigten gegen die Anbetung von Ikonen und Heiligen und kehrt kurz danach zum protestantischen Glauben zurück.

1548
John Immanuel Tremellius, der sich um das Jahr 1530 zum christlichen Glauben bekehrt hatte, wird Hebräisch-Professor in Cambridge. Er ist überzeugter Calvinist und wird später Theologieprofessor in Heidelberg, wo er ein lateinisches Altes Testament herausbringt, das in den 1570ern in Frankfurt und 1580 in London veröffentlicht wird. In Kombination mit dem Neuen Testament von Theodor Beza entsteht die Tremellius-Bibel, die in einem Reformations-/ Gegenreformations-Wettstreit lateinischer Bibeln mit der von Papst Sixtus V herausgegebenen Vulgata konkurriert.

1600
Christian Gerson, ein deutscher Pfandleiher, liest aus “Neugier” ein Neues Testament, das einer seiner Kunden verpfändet hat. Als er erkennt, dass das Neue Testament sich stark auf die hebräische Bibel stützt, liest er immer wieder sein neues Buch “heimlich, damit meine Frau nichts mitbekommen sollte … mein Herz war wochenlang beunruhigt und sorgenvoll, Essen und Trinken boten mir keinen Reiz”. Gerson spürt, dass er sich bekehren muss, und bekehrt sich auch, zahlt aber einen hohen Preis dafür. “Meine Frau, mit der ich in Liebe und Treue als Ehemann zusammen gelebt und mit der ich zwei Söhne hatte, verließ ich auf ihren Wunsch hin … alle meine jüdischen Nachbarn und Bekannte … sind zu unerbittlichen Feinden geworden.”

1621
Paul Christian (Malachi ben Samuel), ein polnischer Rabbi, bekehrt sich einige Jahre nachdem er von der Lektüre einer jiddischen Übersetzung des Neuen Testaments beindruckt worden war. Besonders erstaunt es ihn, dass Randverweise auf die hebräischen Schriften nicht verfälscht werden, wie man ihm gegenüber behauptet hatte. Er schreibt: “Mein Herz wurde voller Zweifel. Niemand kann sich vorstellen, von welch einem Schmerz mein Herz heimgesucht wurde. Ich hatte Tag und Nacht keine Ruhe… Was sollte ich tun? Mit wem sollte ich über diese Dinge reden?” Schlussendlich spürt er, dass er keine andere Wahl hat, als überzutreten.

1625
Giovanni Baptista Jonas bekehrt sich zum christlichen Glauben und wird schließlich Bibliothekar im Vatikan. Er verfasst eine hebräische Übersetzung der Evangelien und ein hebräisch-chaldäisches Wörterbuch.

1656
Esdras Edzard, der in seiner Jugend Hebräisch sowie den Talmud studiert hatte und dann in Leipzig und Wittenberg studierte, erlangt ein Doktorat und fängt an, unter den Juden Hamburgs zu arbeiten. Er bietet kostenlosen Hebräischunterricht an, hilft den Armen und erklärt allen das Evangelium. Von 1671 bis 1708 führt er 148 Juden zur Taufe in seiner Kirchengemeinde. Er betont Lehre und Seelsorge nach der Taufe, und nahezu alle Getauften bleiben beim christlichen Glauben.

1666
Friedrich Albrecht Christiani ist fassungslos, als er feststellt, dass er an Christus glaubt. Der im Talmud unterwiesene Hamburger bezeugt: “Ich war so voller Eifer für mein Judentum, dass, wenn mir jemand meine Bekehrung vorhergesagt hätte, es mir so befremdlich vorgekommen wäre, wie es anderen unglaublich erscheint.” Aber als er feststellt, dass er Esdras Edzard’s Argumente nicht widerlegen kann, beschließt er, seinem Verstand und nicht seiner Tradition zu folgen, und nimmt den Nachnamen “Christiani” an.

1669
Friedrich Ragstadt von Weille bekehrt sich und behauptet, dass eine Infusion jüdisch-christlicher Gläubiger die christlichen Kirchen neu beleben wird.

1673
Christophorus Paulus Maier (ehemals Solomon ben Maier von Frankfurt) wendet sich Christus zu, nachdem er von dem falschen Messias Schabbatai Zwi enttäuscht worden ist. Paolo Medici bekehrt sich ebenfalls, nachdem er zu der Überzeugung gekommen ist, dass die Lange Liste falscher Messiasse, die von Juden anerkannt worden waren und denen Juden Glauben geschenkt hatten, zeigt, dass die Juden die Wahrheit verfehlen. Als Jiulio Morosini sich bekehrt, sagt er, dass sein Glaube nicht von jüdisch-messianischem Versagen abhängig sei, sondern im Gegenteil dadurch bestärkt wird.

1676
Jacob Melammed bekehrt sich mitsamt seiner Famile, weil es sich herausstellt, dass “Schabbatai Zwi, auf den wir ein ganzes Jahr lang mit Fasten und Kasteiungen gewartet hatten, nur ein Haufen Lügen war.”

1692
Im Zuge eines weiteren Schabbatai Zvi-Nachbebens bekehrt sich Theodor John aus Prag, weil aus seiner Sicht “vergebliches Warten auf einen Messias” keinen Sinn macht, „wo Er in Wirklichkeit schon vor langer Zeit gekommen ist”. Philip Ernst Christfelss (ehemals Mordechai ben Shemaya) bekehrt sich ebenfalls zum “wahren Messias, Jesus”.

1707
Franciscus Lotharius Phillipus (Wolf Levi aus Lublin), Simcha Hasid und 11 weitere polnische Juden bekehren sich zum protestantischen Glauben, nachdem sich ihre messianischen Hoffnungen zerschlagen haben; Phillipus schreibt, dass andere zum römisch-katholischen Glauben übergetreten sind, aber dass “alle den wahren Messias und Retter erkannt haben”.

1709
John Xeres tritt der Verleumdung entgegen, dass Konvertiten keine gute Ausbildung im Judentum besäßen, indem er einen Schwerpunkt auf seine Talmudstudien legt. Zu den gebildeten jüdischen Konvertiten zählen weiterhin Ludwig Compiegne de Veil, Friedrich Albrecht Augusti, Paul Weidner, Julius Conrad Otto, Johann Adam Gottfried und andere.

1722
Nachdem Rabbi Judah Monis als erster Jude in Amerika einen akademischen Abschluss erworben hat (M.A., Harvard, 1720), nimmt er den christlichen Glauben an und wird getauft. 1735 veröffentlicht er mit Unterstützung durch ein Darlehen von Harvard eine hebräische Grammatik, die erste, die in Amerika veröffentlicht wird.

1749
Der neu getaufte Raphael Josef schreibt seinen ersten Schritt auf die Bekehrung hin dem Kauf eines Buches zu, das er für ein jüdisches hielt und das sich als jiddisches Neues Testament entpuppte. Er beschießt, es zu lesen mit dem Ziel, den christlichen Glauben zu widerlegen, aber stattdessen bewirkt die Lektüre, dass er von Zweifeln hinsichtlich des jüdischen Glaubens erfüllt wird.

1758
John Felix (Seelig Bunzlau), ein hoch angesehener deutscher Rabbi, verkündet in der Synagoge seine Bekehrung und macht dann einen dramatischen Abgang mit der Kutsche.

1769
Abraham Jacobs gibt eine Autobiografie heraus, in der er beschreibt, wie er von einem lutherischen Pastor, der kam, um bei seinem Vater, einem Frankfurter Rabbi, Hebräisch zu lernen, ein Neues Testament erhielt. Jacobs liest jede Nacht, nachdem seine Eltern zu Bett gegangen sind, mehrer Seiten und beginnt, den Pastor zu Hause zu besuchen. Eines Nachts ertappt ihn sein Vater beim Lesen des Neuen Testaments und schlägt ihn. Als Jacobs seinen Wunsch äußert, sich zum christlichen Glauben zu bekehren, wird er aus dem Haus geworfen und muss schließlich nach England gehen.

1781
Wilhelm Herschel entdeckt mithilfe eines von ihm selbst konstruierten Teleskops den Planeten Uranus. Herschel bestimmt auch die Positionen von 2500 Nebeln, von denen nur 103 vorher bekannt waren. Er nimmt aufgrund von Rückschlüssen die Existenz binärer Sterne (sog. Doppelsterne) an und identifiziert dann 209 solcher Sternenpaare, die sich jeweils um ein gemeinsames Zentrum drehen. Er endeckt zudem die Infrarotstrahlen der Sonne, definiert und erklärt die Zusammensetzung der Milchstraße und macht noch viele andere Endeckungen.

1782
Joseph von Sonnenfels, ein renommierter Wiener Jurist, legt die Prinzipien des Toleranzedikts für Juden fest, das Kaiser Joseph II dann verkünden lässt.

1808
Joseph Samuel Christian Frederick Frey, ein ehemaliger Hebräischlehrer, gründet die Londoner Gesellschaft für die Förderung des Christentums unter Juden. Später zieht er in die Vereinigten Staaten und setzt dort die Missionsarbeit fort.

1810
August Neander (Geburtsname David Mendel) wird Professor für Kirchengeschichte an der Berliner Universität, wo der einflussreiche Friedrich Schleiermacher ebenfalls lehrt. Ein Zeitgenosse bemerkt dazu, es sei ein “trauriger und eigenartiger Anblick” zu sehen, wie “Friedrich Schleiermacher als gebürtiger Christ in dem einen Vorlesungssaal mit all der Überzeugungskraft seines machtvollen Genies seinen Zuhöreren die Lehren einschärft, die zur Verleugnung der evangelikalen Attribute Jesu führen”, während zur gleichen Zeit in einem anderen Saal “Neander als gebürtiger Jude die Errettung allein durch Glauben an Christus als Sohn Gottes predigt und lehrt”. Neaner schreibt eine Vielzahl gelehrter Bücher, darunter die vielbändige Allgemeine Geschichte der christlichen Religion und Kirche. Vor seinem Tod im Jahre 1850 erblindet er, diktiert aber trotzdem noch am letzten Tag seines Lebens Notizen für den letzten Abschnitt seiner Kirchengeschichte.

1812
Joseph Wolff wird in Prag getauft und beschließt, Missionar und Entdecker zu werden. Er lernt Arabisch, Persisch, Sanskrit und weitere west- und südasiatische Sprachen und wird ein Missionar für die Juden in Persien, Turkestan, Indien, Arabien und anderen Ländern. Gemäß dem Buch ‘Travels and Adventures of Dr. Wolff’ [Reisen und Abenteuer des Dr. Wolff] von Lewis Way ist er jemand, “für den ein Ziegelsteinfußboden einem Federbett gleichkommt und eine Kiste einem Kopfkissen; der ohne Fremdenführer reist, ohne Übersetzer spricht, ohne Essen leben kann und ohne Geld bezahlen kann, der alle Beleidigungen, die ihm begegnen vergibt und alle Schmeicheleien, die ihm entgegengebracht werden, vergisst. Solch ein Mann (wobei dies und noch mehr auf Wolff zutrifft) muss in einem Land unter Menschen, deren Monotonie der Sitten und Gepflogenheiten seit Jahrhunderten nicht gestört wurde, ein sehr außergewöhnliches Maß an Aufsehen erregen.”

1822
Isaac da Costa, seine Frau Hannah und sein Freund Abraham Capadose werden in Holland getauft. Da Costa wird Holland’s bedeutendster Dichter und Capadose wird ein bedeutender Arzt; Da Costa’s Büchlein „Anklagen gegen den Geist des Jahrhunderts“ greift den rationalistischen Materialismus an, der das Denken in Holland zusehends dominiert, und fordert, dass Christus wieder zum Zentrum des nationalen Lebens werden soll. Da Costa schreibt oft über Christus und auch über sein jüdisches Erbe: “Inmitten der Verachtung und der Abneigung der Welt gegenüber der Bezeichnung ‘Jude’ habe ich mich stets der für mich damit verbundenen Herrlichkeit erfreut.” Die Jüdische Enzyklopädie bemerkt in Bezug auf ihn: “Sein Charakter wurde, nicht weniger als sein Genie, von seinen Zeitgenossen respektiert. Bis zum Ende seines Lebens empfand er nichts als Verehrung und Liebe für seine ehemaligen Glaubensgenossen”.

1823
Der sechzehnjährige Haim Herschell in Polen wird bei den Gottesdiensten am Jom Kippur (Versöhnungstag) von Besorgnis ergiffen, als er gemeinsam mit anderen spricht: “Wir haben jetzt keinen Tempel, keinen Hohenpriester, keinen Altar, und keine Opfer”. Er zieht schließlich nach London und gründet die Britische Gesellschaft für die Verbreitung des Evangeliums unter den Juden und unterrichtet zahlreiche Bibelkurse sowohl für Juden als auch Nichtjuden. Als er 1864 stirbt, sind bei der Trauerprozession 300 Polizisten dabei, denen er wöchentlich Unterricht gegeben hatte.

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Quelle: World Magazine
Übersetzung: James Peter Darby

 

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