Die Treue Gottes im gewöhnlichen Leben sehen

 

Der Hymnus

Viele von uns kennen die beliebte Hymne: “Bleibend ist deine Treu, o Gott, mein Vater.”  Der Refrain schließt mit: “All meinen Mangel hast du mir gestillet. Bleibend ist deine Treu wo ich auch geh.” Im Gegensatz zu anderen Hymnen, die unter schrecklichen Umständen geschrieben wurden, wie z. B. “It is Well With My Soul”, von Horatio Spafford, das er schrieb, nachdem er seine vier Töchter bei einem Schiffbruch verloren hatte, entstand “Bleibend ist deine Treu” unter einfachen Umständen.

Wir suchen oft nach Zeichen der Treue Gottes und erwarten ihr Aussehen oft nach unseren eigenen Vorstellungen. Für den einen bedeutet das, befördert zu werden, für einen anderen die perfekte Ehe oder das perfekte Familienleben und für wieder einen anderen, ein wunderbares Haus, das seine Freunde beeindruckt. Oder vielleicht bedeutet dir Treue eine wunderbare Heilung für dich oder einen geliebten Menschen, oder Freiheit für ein Kind, das mit Sucht zu kämpfen hat. Obwohl der Herr in der Tat auf viele dieser Arten wirkt, ist es nicht garantiert, dass Seine Treue zu uns genauso in Erscheinung tritt, wie wir es erwarten würden. Dennoch ist der Herr uns und seinem Wort immer treu, das immer das erfüllt wird, was er will, und nie leer zu ihm zurückkehren wird (Jesaja 55,11).

Wir müssen nicht aus lebensbedrohlichen Gefahren gerettet werden oder Gottes wundersame Versorgung inmitten schlimmster Finanzkrisen erleben, um die Treue des Herrn wirklich zu kennen. Das sind sicherlich Segnungen und dramatische Illustrationen Seiner Güte, aber wir sollten uns nicht einzig und allein auf sie verlassen. Gott ist und bleibt Tag für Tag treu, auch unter den kleinsten und alltäglichsten Umständen.

Das war eine Lektion, die die Kinder Israel zu lernen hatten. Es gab unzweifelhaft außergewöhnliche Beispiele für die Treue Gottes, wie z.B. als Er während des Exodus das Wasser teilte oder Manna vom Himmel regnen ließ. Aber Gott war auch jeden gewöhnlichen Tag bei ihnen. Seine bloße Anwesenheit war in ihrer Mitte. Das größte Zeichen Seiner Treue zu Israel war Seine Gegenwart bei und mit ihnen (Emmanuel = Gott mit uns), so wie es auch das größte Zeichen Seiner Treue zu und mit uns ist. Das größte Zeichen für diese Treue ist sein Sohn Jesus.

Manchmal verlieren wir uns auf der Suche nach Wundern und verlieren dabei seine tägliche Treue aus den Augen. Thomas Chisholm verlor weder Familie noch Freunde durch eine Tragödie, noch setzte er sich für eine große Sache ein. Er war kein charismatischer Prediger, zu dem sonntags Tausende von Menschen in die Kirche strömten. Obwohl Chisholm im Predigtdienst stand, zwang ihn sein schlechter Gesundheitszustand nach nur einem Jahr in den Frühruhestand. Und doch erkannte Chisholm, dass Gott, egal wie seine Umstände aussahen, immer noch treu ist, “von Morgen zu Morgen”. Gott wird nicht nur im Spektakulären erkennbar: “Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen …”. (Römer 1,20); so auch im Alltäglichen: “Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.” (Matthäus 6,26). Gott ist in der Tat groß in seiner Treue.

 

Gottes Treue in der Heiligen Schrift

Der Autor des Hebräer-Briefes setzt diesen Gedanken fort, wenn er schreibt: “Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. ” (Hebräer 11,1)

Mit dem vor uns liegenden Tag des Erntedanks, schauen wir uns die frühen englischen Siedler an, die auf etwas hofften, das sie nicht sahen und sich auf die Treue Gottes verließen. Im Winter davor waren viele an Kälte und Hunger gestorben. Dennoch können wir uns vorstellen, wie die Pilger während des Erntedanks Gott unter Tränen dankten, als sie es zum ersten Mal feierten und weiterhin hofften. Die Bibel beschreibt viele Menschen im Glauben: Abel, Henoch, Noah, Abraham und Sarah. “Diese alle sind gestorben im Glauben und haben die Verheißungen nicht ergriffen, sondern sie nur von ferne gesehen und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind. ” (Hebräer 11,13). So sehr dies eine Aussage über den Glauben dieser Menschen ist, so sehr ist es auch eine Aussage über das Vertrauen, das sie in die Treue Gottes hatten, zu erfüllen, was Er versprach.

Der Apostel Paulus hatte einen solchen Glauben. In Philipper 4,12 ermutigt er die Philipper inmitten seiner eigenen Prüfungen: “Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden.” Paulus schrieb diese Worte aus einer Gefängniszelle, und er vertraute immer noch auf die Treue Gottes.

Wenn wir Zeichen und Wunder und dramatische Beispiele für die Treue des Herrn sehen, ist es leicht zu glauben, zu vertrauen und zu hoffen. Manchmal, wenn wir am Tiefpunkt sind und alles verlieren (wie Horatio Spafford), haben wir keine andere Möglichkeit, als nach oben zu schauen. Wenn sich der Staub von dramatischen Wundern oder Prüfungen gelegt hat, wenn wir wieder in unsere Routine zurückkehren, sind die Dinge, auf die wir hoffen, nicht leicht zu sehen, sondern werden von den Sorgen des täglichen Lebens verdeckt und wir vergessen leicht, dass wir nur durch Gottes Treue überhaupt etwas haben.

 

Der vertrauenswürdige Segen Gottes

Es gibt ein wunderbares Gebet aus dem jüdischen Gebetbuch, das einfach anerkennt, dass wir dort, wo wir heute stehen, wo auch immer das sein mag, nur durch die Treue Gottes sind. Auf Deutsch lautet dieses Gebet: “Gesegnet bist du, oh Herr, unser Gott, der uns am Leben erhalten und versorgt und uns erlaubt hat, diese Zeit (Lebensabschnitt) zu erreichen”. Dieser Segen, der typischerweise zu besonderen Zeiten und Feiertagen in Anerkennung der Treue Gottes rezitiert wird, könnte jederzeit wirklich rezitiert werden, wenn wir eine kleine Erinnerung dafür benötigen, dass Gott bei uns ist.

“Bleibend ist Deine Treu” hat ein ähnliches Thema und einen ähnlichen Ton. Während Thomas Chisholm seine Gedanken zu Lebzeiten vielleicht nicht in unsere Richtung gedreht hat, überlebten ihn seine Reflexionen und Meditationen, die er während seines gewöhnlichen Lebens schrieb, und sie ermutigen uns bis heute, indem er unsere Augen auf Gott ausrichtet und uns daran erinnert, dass Gott immer auf uns schaut. Der alltägliche Glaube an Gott ist ein Zeichen von Reife und Charakter – den Gott in uns entwickelt, während Er unsere Gebete zu seiner Zeit und auf die Art und Weise beantwortet, wie er es für richtig hält.

Jesus sagt in Johannes 16:33: “In der Welt habt ihr Angst, aber seid guten Mutes; ich habe die Welt überwunden.” Wenn wir lernen sollen, Ihm auf Grundlage seiner vorangegangenen Glaubwürdigkeit zu vertrauen, ist diese Aussage alles, was wir brauchen. Er hat die Welt überwunden, so wie er es versprochen hat. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass Er nicht weiterhin in allen Dingen treu sein wird.

Chisholm hat es so ausgedrückt:
“Ob es der Frühling ist, ob Herbst, ob Winter
Ob ich den Sommer seh‘ in seiner Pracht.
Du hast die Welt dir geschaffen zum Zeugnis
Dir nur zum Ruhm und zum Preis deiner Macht.”

Mögen Sie die Freude des Herrn an diesem Erntedank erleben und die Kraft haben, auf das zu hoffen, was unsichtbar bleibt, und mögen Sie sich freuen über die gesegnete Gewissheit des Herrn, des Autors und Vollenders Ihres Glaubens.

von Thomas Chisholm

 

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