125 Jahre Chosen People Ministries

Artikel aus dem Newsletter „The Chosen People“, Juli 2019

 

Die Geschichte von Chosen People Ministries

Vor 125 Jahren wurde unser Partnerwerk Chosen People Ministries (CPM) in New York gegründet. Es ist das älteste messianisch-jüdische Missionswerk in Nordamerika, das bereits seit 1894 „den Juden zuerst“ (Röm. 1,16) und ebenso den anderen Völkern die Liebe des Messias Jeschua (Jesus) in Wort und Tat bezeugt. Mit Hilfe von Chosen People Ministries wurde der Beit Sar Shalom Evangeliumsdienst 1996 in Berlin gegründet. Wir gratulieren dem Team unseres Partnerwerkes herzlich, freuen uns mit ihnen, beten für sie und danken Gott für Sein mächtiges Wirken durch Chosen People Ministries!

Wie alles begann

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und über die Jahrhundertwende hinaus waren die Menschen aufgrund der politischen und sozialen Umwälzungen in Europa in Bewegung. Diese Turbulenzen erzeugten eine starke Sehnsucht nach materieller Stabilität und Religionsfreiheit. Die meisten Juden, die in den Ghettos Osteuropas lebten, hatten wegen der damals üblichen antisemitischen Einstellungen wenig mit Christen zu tun. Antisemitismus war eine echte Bedrohung für die Sicherheit des jüdischen Lebens und Eigentums.

Im Jahr 1862 begrüßte eine Familie orthodoxer Juden im Ghetto der ostungarischen Kleinstadt Berenza mit Freude einen neuen Sohn, Leopold Cohn, dessen Schicksal sich mit der Zukunft des jüdischen Volkes auf zwei Kontinenten verflechten sollte. Im zarten Alter von sieben Jahren verlor Leopold seine beiden Eltern, und er und seine Schwester wurden zu Waisen. Dieser tragische Verlust, verbunden mit der Einsamkeit und Isolation des Ghettolebens, veranlasste Leopold, nach Gott um Hilfe und Trost zu rufen. Der Herr erhörte Leopolds Gebete und führte seine Schritte durch seine Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter, indem er ihm eine erfolgreiche Karriere als Rabbiner und eine schöne Frau namens Rose schenkte, die die Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie war.

Doch 1881 ereignete sich wieder eine Tragödie, als Cohns Schwiegervater nur ein Jahr nach seiner Hochzeit unerwartet starb. Leopold schrie erneut zu Gott und begann intensiv die Schriften über den Messias zu erforschen – wer Er war und wann Er kommen sollte.  Während dieser Zeit waren die messianischen Erwartungen hoch: Überall ware jüdische Menschen hungrig auf der Suche nach dem Messias und dachten, Er könnte schon jetzt irgendwo auf der Welt leben.

Ein Rabbiner auf der Suche

Während dieser Jahre des rabbinischen Studiums von Rabbi Cohn sprangen ihm bestimmte Teile der Heiligen Schrift besonders ins Auge, besonders die Abschnitte im Buch Daniel, die die Zeit des Kommens des Messias beschreiben. Nach Daniels Zeitplan hätte der Messias schon vor zweitausend Jahren kommen sollen! Cohn fragte sich: „Ist es möglich, dass die Zeit, die Gott für die Erscheinung unseres Messias festgelegt hatte, vergangen war, ohne dass die Verheißung unseres wahren und lebendigen Gottes sich erfüllt hat?“ Cohn war ratlos. Wenn Daniel Recht hatte, dann lagen die Rabbiner mit dem Talmud falsch. Rabbi Cohn beschloss, tiefer zu graben, aber nach langem Suchen konnte er keine zufriedenstellenden Antworten für seine unruhige Seele finden. Ein Rabbiner in einer fernen Stadt riet ihm, nach Amerika zu gehen, wo die Leute mehr über den Messias wussten. Deshalb traf Cohn sofort alle Vorbereitungen, um in die Vereinigten Staaten zu ziehen.

Echter jüdischer Glaube

Drei Wochen nach Cohns Ankunft in New York City ging er zufällig an einer Kirche vorbei, an der es ein Schild mit hebräischen Buchstaben mit der Aufschrift „Versammlungen für Juden“ gab. Zu neugierig, um sich abzuwenden, betrat Cohn die Kirche, und zu seinem großen Erstaunen war der Raum mit etwa 800 jüdischen Männern und Frauen gefüllt. Es gab sogar einen Chor von jüdischen Mädchen, die „Am Kreuz …“ sangen. Cohn war verwirrt, aber er blieb, um einige der Predigten zu hören. Einerseits war er fasziniert, aber gleichzeitig gab es einige Dinge, die er als frommer orthodoxer Jude ablehnte. Zum Beispiel  saßen Frauen und Männer ohne räumliche Trennung nebeneinander, es waren in der Kirche Kreuze angebracht, und der Pastor sprach Gottes Namen ohne Kopfbedeckung (Kippa) aus. Mitten  in der Predigt verließ Cohn die Versammlung, aber er bekam noch die Kontaktinformationen des Pastors. Cohn besuchte den Pastor zu Hause, und nach vielen Diskussionen gab ihm dieser ein Neues Testament auf Hebräisch. Als Cohn das Neue Testament las, erkannte er, dass Jesus der wahre jüdische Messias ist! Cohn wusste, dass es nur einen einzigen Weg für ihn gab: Er musste das Wissen über den Messias Jeschua mit seinem jüdischen Volk teilen. Er erzählte von einer frühen Begegnung mit Mitgliedern der Ortsgemeinde: „Ich habe ihnen aus der Heiligen Schrift gezeigt, dass der Glaube an Jeschua ein jüdischer Glaube ist, ein echter jüdischer Glaube.“
Das wurde Leopold Cohns Lebensaufgabe, und es wurde auch zu einem Leitgedanken für Chosen People Ministries, das er 1894 im Bezirk Brownsville in Brooklyn, New York, gründete.

Den Juden zuerst

Die biblische Basis für diesen Dienst wurde die Ermahnung und Aufforderung von Paulus in Römer 1,16: „Denn ich schäme mich nicht für das Evangelium Christi; denn es ist die Kraft Gottes zur Erlösung für jeden, der glaubt; für den Juden zuerst und auch für die Griechen“. So begann Leopold Cohn diesen Dienst in einem Geschäft, das ein renovierter Pferdestall war, und organisierte dort kleine Zusammenkünfte. An dieser ersten Bibelversammlung nahmen nur acht Juden teil. Aber der Herr segnete sein Werk weiterhin, und im Laufe seines Lebens führte Leopold Cohn über 1.000 Menschen zum Glauben an Jeschua (Jesus).

Chosen People Global Ministries: “… bis an die Enden der Erde“

Über die Jahre hinweg unterstützte und gründete CPM Dienste am jüdischen Vollk u.a. in Deutschland, Israel, Kanada, Frankreich, Argentinien und der Ukraine. Daher wurde im Jahr 2004 das Netzwerk  Chosen People Global Ministries (CPGM) gegründet, damit sich diese Werke und Dienste in einem Partnerschaftsnetzwerk gegenseitig unterstützen konnten. Und so entstand ein großes Gefühl von Einheit und von der starken Erwartung und Verpflichtung, gemeinsam zur Ehre Gottes für die Verbreitung des Evangeliums unter dem jüdischen Volk zu arbeiten. Heutzutage ist CPGM auf weltweit 18 Länder angewachsen: Australien, Argentinien, Deutschland, Finnland und die baltischen Staaten, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Kanada, Israel, die Niederlande, Neuseeland, Polen, Russland, Südafrika, Südkorea, Ukraine und die Vereinigten Staaten von Amerika. Und es ist geplant, in diesem Jahr eine neue Arbeit in Brasilien zu beginnen. Beit Sar Shalom Evangeliumsdienst fühlt sich geehrt, als das zweitgrößte Werk in diesem Netzwerk Deutschland zu repräsentieren.