Glaubenszeugnis von Wladimir Pikman: „Ich verstand, dass Jesus jüdisch ist!“

Auf meinem Rücken war ein Davidstern, den jemand gemalt hatte. Und auf meinem Tisch lag ein Stück Papier, auf dem stand: „Geh weg von uns in dein Israel!” Aber, wisst ihr, damals wollte ich überhaupt nicht nach Israel. Ich war so etwas wie ein Patriot der Sowjetunion!

Die Kinder in meiner Klasse haben versucht, mich zu schlagen. Also habe ich mich richtig mit ihnen geprügelt und sie sagten Dinge zu mir wie: „Du bist ein schmutziger Jude”. Sie haben sich über meinen Nachnamen lustig gemacht, weil er weder russisch noch ukrainisch klang.

In vielen Fällen hatten diese Vorfälle damit zu tun, dass ich jüdisch bin. Es war schmerzhaft.

Es gibt keinen Gott, aber es gibt jüdische Menschen – das war unsere Einstellung. Wir waren mittlerweile die dritte Generation jüdischer Atheisten in der ehemaligen Sowjetunion. Wir behielten unsere starke jüdische Identität. Ich erinnere mich an niemanden in meiner Familie, der nicht jüdisch war. Aber wir wollten nicht noch mehr Probleme hervorrufen, indem wir an Gott glaubten.

Also: kein Gott, aber jüdische Menschen.

Als die ehemalige Sowjetunion zusammenbrach, erlebten wir plötzlich eine so wunderbare Freiheit, sodass wir plötzlich stolz darauf sein konnten, jüdisch zu sein. Ich habe zum ersten Mal etwas über den Holocaust erfahren! Einige meiner Verwandten waren in Babi Yar gestorben während des Holocaust in Kiew. Ich habe angefangen, Hebräisch zu lernen. Ich wurde ein sehr engagierter Zionist. Ich ging in eine Synagoge, aber nicht etwa, um Gott anzubeten, sondern um Gemeinschaft zu haben mit anderen jüdischen Menschen.

Schließlich wurde mein zionistischer Traum wahr: Ich zog von der Ukraine nach Israel. Als ich dort ankam, war ich buchstäblich bereit, den Boden zu küssen. Aber eines Tages ging ich zur Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem und ich stand da mit dem tiefen Gefühl: „Ich habe mein Ziel erreicht! Das ist der bedeutendste Moment meines Lebens!“ Ich ging zur Mauer und ich berührte sie. Und in diesem Moment habe ich an Gott geglaubt. Es war, als wäre ich vom Blitz getroffen worden.

Ein paar Monate später musste ich eine wichtige Entscheidung treffen. Ich beschloss, Gott zu fragen, und der einzige Weg, den ich kannte, war, meine Frage auf einen Zettel zu schreiben und in die Klagemauer zu stecken, damit Gott sie lesen würde. In meiner Notiz fragte ich ihn nach der Ausrichtung meines Lebens und seiner Führung. Ich versprach auch, dass ich mich nie darüber beschweren würde. Gleich am nächsten Tag schickte er mich zurück in die Ukraine. Und ich beschwerte mich wie verrückt darüber! Es war ein dummes Versprechen.

Ich war also auf dem Weg zurück in die Ukraine. Und jemand gab mir das Neue Testament in russischer Sprache, die zu dieser Zeit meine Hauptsprache war. Doch ich dachte: „Das ist nichts für mich, ich bin jüdisch! Es ist kein jüdisches Buch, überhaupt nicht!“ Aber auf der anderen Seite war es eben ein Buch und ich liebe Bücher – ich kann zu Büchern einfach nicht nein sagen. Also habe ich es genommen.

Zu der Zeit hatte ich einen jüdischen Freund. Er war einer der jüdischsten Menschen, die ich bisher getroffen hatte. Ich habe ihn sehr geschätzt und sehr respektiert. Er war damals ein wirklich guter Freund für mich. Eines Tages sagte er aber zu mir: “Du bist ein Sünder! Du kommst in die Hölle! Der einzige Weg, um gerettet zu werden, ist, an Jesus zu glauben.” Meine Reaktion fiel jedoch ähnlich aus wie bei dem Neuen Testament: „Das ist verrückt! Ich bin Jude! Ich glaube nicht an Jesus und ich werde auch nicht an Jesus glauben.“

Ich betrachtete das Neue Testament als ein antisemitisches, antijüdisches Buch. Ich war überrascht, als ich es öffnete und begann, darin zu lesen! Es war voll von jüdischer Geschichte, jüdischem Humor, jüdischer Weltanschauung. Es erschien mir sogar noch jüdischer als der Talmud.

Ich habe mich vorher nicht für einen Sünder gehalten. Gute Ausbildung, erfolgreiche Karriere, ein gutes, anständiges Leben. Ein “jüdischer Engel”, wenn man so will. Aber schließlich kam ein Tag, an dem ich erkannte, dass ich ein Sünder war. Etwas stimmte nicht mit mir. Ich war nicht so gut, wie ich dachte. Ich hatte nie ein schweres Verbrechen begangen, aber nicht, weil ich so gut gewesen wäre, sondern weil ich Angst vor den Konsequenzen hatte. Ich fühlte mich so dreckig. Und ich betete zu Jesus in dieser Nacht.

Gleich am nächsten Tag erzählte ich meinen Eltern, dass ich an Jesus glaube und Jesus als dem Messias folge. Sie dachten, dass es nur eine Phase sei, nur eine neue, verrückte Idee von mir. Mit der Zeit lernten sie, damit zu leben.

Ich verstand, dass Jesus jüdisch ist. Er ist der König der Juden! Er ist aus meinem eigenen Volk! Er ist der vollkommene Jude, er ist das vollkommene Israel in einer gewissen Weise. Ich empfand mit einem Mal einen solchen Stolz und wurde so glücklich darüber, jüdisch zu sein, weil wir einen solchen Messias haben, solch einen König, ein solches Beispiel, dem wir folgen können.

Jetzt weiß ich, dass ich eine persönliche Beziehung mit dem Gott Israels habe. Ich rede mit ihm. Ich weiß, dass ich in seiner Gegenwart bin. Er antwortet mir. Ich sehe seine Hand und sein Wirken in meinem Leben – jeden Tag. Und ich habe so etwas wie einen sehr tiefen Frieden in mir. Und in meiner Seele kann ich diese Verbindung zu ihm spüren, ich kann sie fühlen. Die Verbindung, die ich zuvor nie erlebt hatte, vor dieser Nacht des Gebets.