Jerusalem in Bibel und Geschichte – Teil 1

Jerusalem im Tanach (Altes Testament)

Melchizedek, Abraham und Jerusalem

Wir lesen im Buch Genesis (1. Mose), wie Abraham einem mysteriösen Priester des höchsten Gottes begegnet: Melchizedek. Sein Name bedeutet “der gerechte König”. Das ist in sich schon faszinierend, aber wo er herkommt, ist unser eigentliches Anliegen. Er kommt aus Salem, welches die meisten Experten als eine antike kanaanitische Stadt identifizieren. Der König Salems kommt zu Abraham mit Brot, Wein, dem Zehnten und Segen.

Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten… (Gen 14,18; vgl. auch Ps 110,4-7)

Randall Price schreibt: “Als Abraham später den Repräsentanten der Stadt trifft, erkannte er, dass Gott schon dort war, denn der Repräsentant war der kanaanitische König, Melchizedek, der ein Priester von Gott, dem höchsten war (Gen 14,18). Denken Sie an die prophetische Verbindung hier im Hinblick auf Jerusalems zukünftiger Rolle für den Messias. Im Hebräischen bedeutet der Name “König der Gerechtigkeit” und dieser historische König Jerusalems kam, um dem Vater Israels ein Geschenk darzubringen.”1

Price fügt weiter hinzu: “Wir bekommen einen weiteren Hinweis auf Jerusalem von Genesis 22, wo Gott Abraham ruft, seinen Sohn Isaak zu opfern, aber der Herr hielt Abrahams Hand zurück und Isaak lebte. Ein Widder wurde gefangen und als ein Stellvertreter geopfert. All das fand auf dem Berg Moriah statt, derselben Gebirgskette, wo bald Jerusalem und der Tempel gebaut werden sollten. In einem gewissen Sinn also zeichnen dieses Kapitel und Abrahams Erfahrung die zukünftige Stadt und das endgültige Opfer Jesu, des Messias, das für Juden und Nichtjuden gebracht wurde, vor.”2

Der Prophet Moses und Jerusalem

Eine andere Schlüsselstelle, um den Plan Gottes für Jerusalem zu verstehen, finden wir in Ex 15,17, wo Moses schreibt:

Du brachtest sie hinein und pflanztest sie ein auf dem Berge deines Erbteils, den du, HERR, dir zur Wohnung gemacht hast, zu deinem Heiligtum, Herr, das deine Hand bereitet hat.

Er spricht hier ganz deutlich von Jerusalem und dem Tempel, der eines Tages bei König David begründet wurde, oder um genau zu sein, von seinem Sohn Salomo.

Eine weitere Passage, die dieselbe prophetische Ankündigung beinhaltet, finden wir in 2Chr 6,6, wo wir lesen:

 …aber Jerusalem habe ich erwählt, dass mein Name daselbst sei, und David habe ich erwählt, dass er über mein Volk Israel herrsche.

Hier wird eine Verbindung hergestellt zwischen Jerusalem und den Nachfahren von David, die für Gott von der Heiligen Stadt aus herrschen sollen. Das wird sich in der Zukunft bewahrheiten, wenn der große Sohn Davids, Jeshua, der messianische König, in einem ewigen davidischen Königreich regieren wird und sein Thron wird in Jerusalem stehen. Diese Ankündigung zieht sich durch die ganze Bibel, da vorausgesagt ist, dass Jerusalem die nationale Hauptstadt Israels ist und schließlich der ganzen Welt sein wird.

Von Beginn an war Jerusalem eine Stadt der Bestimmung, herausgehoben für eine zentrale Rolle in Gottes Okay für die Zeitalter.

 

König David, Jerusalem und der Tempel

Geruhsam war eine unvergleichliche Stadt, nicht unbedingt wegen des königlichen Palastes, sondern weil der Tempel der Wohnort Gottes war. Der Tempel war das Herz Jerusalems und das, was Jerusalem zu einer heiligen Stadt gemacht hat. Die Verbindung zu politischer und nationaler Führung ist wichtig, aber was Jerusalem wirklich hervorhebt ist die Beziehung zwischen dieser Stadt und dem Gott, der das jüdische Volk berufen hat, ein Licht unter den Völkern zu sein.

Es war nicht der Palast, sondern der Jerusalemer Tempel, in dem die wirkliche Kraft lag.

Deshalb muss sich auch der Thron dem Tempel unterordnen, um erfolgreich zu sein. Jedes Mal, wenn dieses Prinzip gebrochen wurde, musste die Nation darunter leiden und schließlich empfand Jerusalem selbst den größten Schmerz für Israels Ungehorsam und war üblicherweise der Mittelpunkt des Gerichts.

Das ist das Herzstück von Davids Dialog mit Gott, als er anbot, Ihm ein Haus zu bauen. Doch Gott erwiderte, dass nicht David den Bau unternehmen, sondern vielmehr sein Sohn Salomo diese Traum erfüllen sollte. Stattdessen würde Gott auf David eine Dynastie von Herrschern unter seinen Nachkommen aufbauen (2Sam 7,16). Wir wissen auch, dass der große Sohn Davids, Jeshua, der Messias, auf dem davidischen Thron sitzen und herrschen wird, wenn er wiederkehrt und die Prophetie aus Jes 9,6-7 erfüllt. An jenem Tag werden die drei gesalbten Ämter in Israel -Prophet, Priester und König- in dem einen Gesalbten verkörpert, dem heiligen Sohn Gottes, Jeshua.

Das Kernstück und die Seele der Heiligen Stadt war bis zu diesem Zeitpunkt der Tempel, der Israel als eine Erinnerung daran diente, dass Sühne nötig war, und daran, dass Gottes Gegenwart in ihrer Mitte zentral war.

 

David bringt die Bundeslade nach Jerusalem

David wusste, dass die Kraft der Nation in der Gegenwart und Macht Gottes lag, die sich in der Bundeslade niedergelassen hatte. Bis David die Lade nach Jerusalem brachte, war die Stadt noch nicht heilig. Deshalb machte David dies zu einer seiner ersten Amtshandlungen: Die Lade nach Jerusalem zu bringen. Später erst wollte er eine dauerhafte Anbetungsstätte und einen Tempel für die Gegenwart Gottes bauen.

Und David sammelte abermals die ganze junge Mannschaft in Israel, dreißigtausend Mann, und machte sich auf und zog mit dem ganzen Volk, das bei ihm war, nach Baala in Juda, um die Lade Gottes von dort heraufzuholen; diese ist genannt nach dem Namen des HERRN Zebaoth, der über den Cherubim thront. (2Sam 6,1f.)

Baale-Judah (hier als Baala in Juda übersetzt) war ein anderer Name für die israelische Stadt, in der die Lade untergebracht war.3 Der Bibelausleger Chuck Swindoll kommentiert: “Sie müssen verstehen, dass damals in den Tagen Davids der zentrale Ort der Anbetung nicht der Gläubige selbst war, sondern die Stiftshütte. Und unter Sauls schwacher und nachlässiger Herrschaft schwand die Bedeutung der Stiftshütte langsam. Während dieser Zeit wurde ein besonderes Stück der heiligen Einrichtung von der Stiftshütte entfernt. Können Sie es glauben: der Feind hat die Bundeslade fortgenommen!”4

Swindoll fährt fort mit seiner Erläuterung der biblischen Geschichte: “Weil sie die Gegenwart JHWHs repräsentierte, war sie der heiligste Ort auf der ganzen Erde. Nun, als David den Thron bestieg, erkannte er, dass keine Bundeslade da war… kein zentraler Ort der Anbetung. Der geistliche Weg des Volkes Israel war seicht geworden. Ihr Herz war alles andere als leidenschaftlich für Gott. Als ihr Leiter wusste David, dass er dieses Stück heiliger Einrichtung zurückbringen musste zum vorgesehenen Ort. Er musste es so einrichten, wie Gott es erdacht hatte.5

David bereitete den Bau des Tempels vor, den dann sein Sohn Salomo baute. Er erwarb das Land für den Tempel (2Sam 24,18-25), konstruierte die Pläne und brachte die notwendigen Summen durch Opfer zusammen (1Chr 28,11-18.29,1-9). Es ist klar, dass David die Verbindung zwischen Priester und König verstand, zwischen gesellschaftlichem und geistlichem Leben der Nation… ohne das eine konnte man nicht das andere gesund erhalten! (1Chr 29,10-20)”

 

 

[1] Price and Harvest House Publishers, Jerusalem in Prophecy, 81.

[2] IBID

[3] Baale-Jehudah is another name of the city of Kirjath-jearim (Josh. 15:60; 18:14), which is called Baalah in Joshua 15:9 and 1 Chronicles 13:6, according to its Canaanite  name, instead of which the name Kirjath-jearim (city of the woods) was adopted by the Israelites, though without entirely supplanting the old name.

F.Keil and C.F. Deltizsch “2 Chronicles 6:2” Commentary on the Old Testament Volume 3,(Place: Hendrikson Publishers, 1996)

[4] Swindoll, David, 145.

[5] Ibid., 145–46.



Quelle: Der Beitrag ist eine Übersetzung von "Jerusalem in the bible and throughout history", https://www.chosenpeople.com/site/jerusalem-in-the-bible/ (Stand 1. Juli 2021)