Der Hohepriester und Jom Kippur

Der wichtigste Tag im Kalender des Hohepriesters steht an: Jom Kippur – der Versöhnungstag. Ich kann mir vorstellen, dass der Hohepriester damals ganz schön aufgeregt war! Schließlich ging es um so viel: Die Schuld und Sünde des ganzen Volkes Israels sollte gesühnt werden. Das einzige Mal im Jahr durfte er zu diesem Zweck das Allerheiligste im Tempel betreten! Außerdem musste er aufpassen, keinen Fehler zu machen: Die reinen Gewänder zur richtigen Zeit an- und abzulegen, und dafür zu sorgen, dass er selbst rein und heilig war. Dafür musste er erstmal selbst die Schuld von sich selbst und seiner Familie sühnen.

Und sein Schicksal hatte er sich nicht einmal selbst ausgesucht. Es war quasi eine Berufung. Eine Würde und ein Amt, welches ihm von seinem Vater einst übertragen wurde.

Niemand sonst durfte das Allerheiligste betreten und Mose hatte von Gott die Anordnung an Aaron, den ersten Hohepriester, weitergegeben, „dass er nicht zu jeder Zeit in das Heiligtum gehe hinter den Vorhang vor den Gnadenthron, der auf der Lade ist, damit er nicht sterbe, denn ich erscheine in der Wolke über dem Gnadenthron.“ (3. Mose 16,2)

Auch heute noch wird jährlich Jom Kippur begangen. Auch heute noch – oder vielleicht gerade heute – brauchen wir Vergebung unserer Sünden und sehnen uns nach einer reinen Beziehung mit dem heiligen Gott.

Ein außergewöhnlicher Hohepriester

Der Brief an die Hebräer beschreibt den Dienst des Hohepriesters an Jom Kippur, genauer gesagt des Hohepriesters Jeschua (Jesus).

Jeschua als Hohepriester? Er stammte doch gar nicht von Aaron ab, sondern war aus dem Stamm Juda? Und er diente doch als er auf der Erde war überhaupt nicht im Tempel! Höchstwahrscheinlich betrat er sogar niemals das Allerheiligste. Und er soll ein Hohepriester sein?

Ja. Ein Hohepriester. Aber natürlich kein gewöhnlicher, sondern ein Hohepriester im geistlichen Sinne. Er diente nicht am irdischen Heiligtum, sondern am himmlischen. Wie Aaron nahm er sich nicht selbst die Priesterwürde, sondern wurde von Gott selbst berufen:

„Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“ (Hebräer 5,5-6 vgl. Psalm 2,7 und Psalm 110,4)

Jeschua unterschied sich in zwei Dingen von allen anderen Hohepriestern:

  1. Er war sündlos und musste nie für sich selbst erst Sühnung erwirken. (Hebräer 7,26-27)
  2. Durch seine Auferstehung war er ein Priester in Ewigkeit, der ein unvergängliches Priestertum einläutete und so auch ewige Rettung für uns bringen konnte. (Hebräer 7,23-25)

Zu diesem sündlosen, ewigen Hohepriester können wir stets kommen mit unserer Schuld und unseren Sünden. Wir können ihn immer bitten, stellvertretend für uns ins Allerheiligste zu gehen und unsere Schuld wegzunehmen. Wir können dies das ganze Jahr tun, weil er ein ewiger Priester ist. Aber wir wollen es ganz besonders an Jom Kippur tun, so wie uns der Schreiber des Hebräerbriefes ermutigt:

„Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jeschua (Jesus), den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“ (Hebräer 4,14-16)

 

Von Deborah Haupt