Schawuot

Das christliche Fest Pfingsten lĂ€sst sich auf das biblische Wochenfest, hebr. Schavuot, zurĂŒckfĂŒhren. Schavuot findet immer genau 50 Tage nach dem Passafest statt, deshalb wird Pfingsten 50 Tage nach Ostern gefeiert. Schavuot ist einerseits ein Erntefest, da es in die Zeit der Weizen- und Gerstenernte fĂ€llt, aber es ist auch ein Fest der Freude und des Teilens.

Gott befiehlt in der Tora Schavuot zu feiern:

„Danach sollt ihr zĂ€hlen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nĂ€mlich fĂŒnfzig Tage, sollt ihr zĂ€hlen und dann ein neues Speisopfer dem HERRN opfern. Ihr sollt aus euren Wohnungen zwei Brote bringen als Schwingopfer, von zwei Zehnteln feinstem Mehl, gesĂ€uert und gebacken, als Erstlingsgabe fĂŒr den HERRN. Und ihr sollt herzubringen neben eurem Brot sieben einjĂ€hrige Schafe ohne Fehler und einen jungen Stier und zwei Widder – das soll des HERRN Brandopfer sein – mit ihren Speisopfern und Trankopfern als ein Feueropfer zum lieblichen Geruch fĂŒr den HERRN. Dazu sollt ihr opfern einen Ziegenbock zum SĂŒndopfer und zwei einjĂ€hrige Schafe zum Dankopfer. Und der Priester soll sie als Schwingopfer schwingen samt den Erstlingsbroten vor dem HERRN. Das alles soll als ein Schwingopfer dem HERRN heilig sein und dem Priester gehören. Und ihr sollt an diesem Tag eine heilige Versammlung ausrufen; keine Arbeit sollt ihr tun. Eine ewige Ordnung soll das sein bei euren Nachkommen, ĂŒberall, wo ihr wohnt. Wenn ihr aber euer Land aberntet, sollt ihr nicht alles bis an die Ecken des Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten, sondern sollt es den Armen und Fremdlingen lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.“ (3. Mose 23,15-22)

„Sieben Wochen sollst du zĂ€hlen und damit anfangen, wenn man zuerst die Sichel an die Halme legt, und sollst das Wochenfest halten dem HERRN, deinem Gott, und eine freiwillige Gabe deiner Hand geben je nachdem, wie dich der HERR, dein Gott, gesegnet hat. Und sollst fröhlich sein vor dem HERRN, deinem Gott, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd und der Levit, der in deiner Stadt lebt, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte sind, an der StĂ€tte, die der HERR, dein Gott, erwĂ€hlen wird, dass sein Name da wohne. Denke daran, dass du Knecht in Ägypten gewesen bist, und beachte und halte diese Gebote.“ (5. Mose 16,9-12)

Besonders auffĂ€llig ist, dass Schavuot in den beiden Abschnitten und auch in der ganzen Bibel viele unterschiedliche Namen hat: Fest der Ernte, Fest der Erstlinge, Fest der Wochen oder im Neuen Testament dann Pentecost, was auf Griechisch fĂŒnfzig bedeutet und im Deutschen mit Pfingsten wiedergegeben wird. Schavuot ist eines der drei Pilgerfeste des Judentums. Als der Tempel in Jerusalem noch stand, reisten Juden nach Jerusalem, um dort die vorgeschrieben Opfer darzubringen.

In der jĂŒdischen Tradition liest man an Schavuot die Geschichte von Rut. Im Folgenden wird anhand der Geschichte von Rut erklĂ€rt, warum dieses Buch so gut zu Schavuot passt und was Schavuot aus einer messianischen Perspektive bedeuten kann.

Rut schließt sich dem jĂŒdischen Volk an

Obwohl Rut eine Moabiterin ist, bleibt sie ihrer israelitischen Schwiegermutter Naomi treu und trifft die Entscheidung, sich ihr und damit ihrem Volk anzuschließen:

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ (Rut 1,16)

Genauso schließt sie sich auch dem Gott Israels an. Im Tanach (dem sogenannten Alten Testament) gibt es nur wenige Stellen, die von Menschen erzĂ€hlen, die sich dem Volk Israel anschließen. Bis heute ist es aus jĂŒdischer Sicht zwar möglich, zum Judentum ĂŒberzutreten, aber gleichzeitig ungewöhnlich.

In Gottes Heilsplan, nicht nur fĂŒr das Volk Israel, sondern fĂŒr alle Völker, gibt uns das Fest Schavuot einen kleinen Einblick.

Die zwei Brote: Juden und Nichtjuden

Kommen wir noch einmal auf 3. Mose 23,17 zurĂŒck:

„Ihr sollt aus euren Wohnungen zwei Brote bringen.“

Warum zwei Brote? Nach jĂŒdischer Auslegung, steht das eine Brot fĂŒr das jĂŒdische Volk, das andere Brot fĂŒr die Nichtjuden. An Schavuot soll der Blick nicht nur auf die eigene Religion und das eigene Volk beschrĂ€nkt sein, sondern auf die anderen Menschen gerichtet sein, die noch nichts von Gott wissen. Deshalb werden an Schavuot Bekannte und Nachbarn eingeladen!

Durch Jeschua, Jesus Christus, erfĂ€hrt dieses Fest eine ganz besondere ErfĂŒllung: Nicht nur einzelnen soll der Zugang zu Gottes Volk gewĂ€hrt werden, sondern allen Menschen.

Pfingsten: Durch Jeschua können alle zu Gott kommen

Jeschua sagt von sich selbst, dass er zuerst zu den Kindern Israel gesandt wurde. WĂ€hrend seiner Zeit auf der Erde war er im jĂŒdisch bevölkerten Israel unterwegs. Auch seine JĂŒnger waren Juden. Doch nun sagt Jeschua nach seiner Auferstehung, kurz bevor er zum Vater zurĂŒckkehrt:

„Gehet hin und machet zu JĂŒngern alle Völker.“ (Mt 28,19)

Der Tod und die Auferstehung Jeschuas gelten nicht nur dem jĂŒdischen Volk, sondern allen Menschen. Wenn er sagt: „Das ist mein Leib“, wie wir uns im Abendmahl erinnern, dann ist dieser Leib fĂŒr alle da und nicht nur fĂŒr die Juden.

Nach der Auferstehung blieben die JĂŒnger zunĂ€chst in Israel und erzĂ€hlten dort von Jeschua.

FĂŒnfzig Tage nach Jeschuas Tod, passiert nun Folgendes:

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfĂŒllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfĂŒllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfĂŒrchtige MĂ€nner aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestĂŒrzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus GalilĂ€a? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und JudĂ€a, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Prosyleten, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.“ (Apostelgeschichte 2, 1-11)

SĂ€mtliche Nationen, Völker und Sprachen sind in Jerusalem versammelt und feiern dort gemeinsam das Fest Schavuot. Dabei sind auch viele Menschen, die sich aus den Völkern dem Judentum, also dem Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, angeschlossen haben. Gerade an diesem Fest gibt Gott den JĂŒngern Jeschuas den Heiligen Geist, sodass sie all die verschiedenen Menschen in ihrer Muttersprache ansprechen können: Gottes Botschaft gilt allen Menschen, unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft. Nach Pfingsten fingen dann die Apostel an, mit dem Heiligen Geist bevollmĂ€chtigt, in der ganzen Welt herumzureisen und den Menschen von Jeschua zu erzĂ€hlen.

Durch Jeschua ist der Weg zum Vater frei! Petrus zitiert in seiner Pfingstpredigt aus dem Propheten Joel: „Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden.“ (Apostelgeschichte 2, 21)  Nun gehören nicht nur diejenigen zu Gottes Volk, die geborene Israeliten sind, sondern alle, die an Jeschua glauben. Jeschua bringt die beiden Brote von Schavuot zusammen und lĂ€sst sie eins werden, indem er seinen EINEN Leib am Kreuz hingibt.

„Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden. Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der UmzĂ€unung, die Feindschaft, in seinem Fleisch abgebrochen. Er hat das Gesetz der Gebote in Satzungen beseitigt, um die zwei – Frieden stiftend – in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, durch das er die Feindschaft getötet hat. [
] Denn durch ihn haben wir beide durch einen Geist den Zugang zum Vater.“ (Epheser 2, 13-19)

Rut und die Mizwa der Barmherzigkeit

Im zweiten Abschnitt können wir noch andere Parallelen des Buches Rut zu Schavuot sehen: An Schavuot werden wir dazu aufgerufen, uns um die Armen und Fremden zu kĂŒmmern – so wie sich Rut um Noomi und Boas um Rut kĂŒmmerte. Wie können wir das heute umsetzen? Vielleicht indem wir uns um FlĂŒchtlinge und Immigranten kĂŒmmern? Oder wir schenken dem Bettler am Wegrand einen Kaffee und eine Brezel? Und dazu vielleicht sogar noch ein bisschen von unserer kostbaren Zeit? Auch in der Gemeinde können wir fĂŒreinander sein und uns um die anderen kĂŒmmern.

Verordnungen fĂŒr Schavuot: Nachlese, freiwillige Gabe, Freude

In 5. Mose 16, 10.11 werden die Israeliten aufgerufen:

„Du sollst eine freiwillige Gabe deiner Hand geben je nachdem, wie dich der HERR, dein Gott gesegnet hat und sollst fröhlich sein vor dem Herrn, deinem Gott, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd und der Levit, der in deiner Stadt lebt, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Mitten sind, an der StĂ€tte, die der HERR, dein Gott, erwĂ€hlen wird, dass sein Name da wohne.“

Und in 3. Mose 23, 22:

„Wenn ihr aber euer Land aberntet, sollt ihr nicht alles bis an die Ecken des Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten, sondern sollt es den Armen und Fremdlingen lassen.“

Hier sehen wir drei Gebote, die fĂŒr Schavuot gelten. Etwas moderner formuliert können sie vielleicht so klingen:

  1. Eine freiwillige Gabe von dem abgeben, was Gott uns schenkt:
    Zeit, Geld und unsere Gaben. Denn alles kommt von Gott und wir selbst haben nichts empfangen. Nur durch Gottes Gnade sind wir was wir sind (1. Korinther 15, 10). Unser ganzes Leben soll ein lebendiges Opfer fĂŒr Gott sein (Römer 12, 1). Dies können wir ausdrĂŒcken durch Lobpreis, aber auch durch NĂ€chstenliebe oder wenn wir die gute Nachricht von Jeschua weitergeben. Denn Jeschua ist das grĂ¶ĂŸte Geschenk, das Gott uns gemacht hat. Im Epheserbrief steht, dass wir durch Jeschua allen geistlichen Segen haben (Epheser 1, 3).
  2. Fröhlich sein an dem Ort, wo Gottes Name wohnt:
    ZunĂ€chst wohnt sein Name in jedem von uns, wenn wir an ihn glauben. Aber dann natĂŒrlich auch in der Gemeinde. Lasst uns fröhlich sein und in diese Freude auch die integrieren, die alleine sind oder Sorgen haben. Wie können wir dazu beitragen, dass auch sie einen Grund zur Freude haben? Wir halten uns hier ganz an die Aufforderung von Paulus: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ (Philipper 4, 4).
  3. RĂŒcksichtsvoll und nachhaltig leben:
    Lasst uns so leben, dass die Armen und Fremden nicht noch mehr ausgebeutet werden, sondern dass sie von unserem Überfluss auch etwas haben. Heute haben die meisten von uns keine Felder mehr, auf denen sie etwas zurĂŒcklassen können. Aber wir können darĂŒber nachdenken, wo wir einkaufen und wie wir mit MĂŒll umgehen. Vielleicht können wir auch konkret Menschen unterstĂŒtzen, die weniger haben. Zum Beispiel durch Spenden oder praktische Hilfe. Unser Überfluss soll fĂŒr den Mangel der anderen sein! (siehe 2. Korinther 8, 14)

Warum GesÀuertes?

Zum Schluss soll es noch um diesen Vers aus 3. Mose 23, 17 gehen:

„Ihr sollt aus euren Wohnungen zwei Brote bringen, von feinstem Mehl, gesĂ€uert und gebacken, als Erstlingsgabe fĂŒr den HERRN.“

Hier steht nun, dass die Brote gesĂ€uert sein sollen. Was bedeutet gesĂ€uert? Wenn man will, dass Brot aufgeht, kann man entweder Hefe oder Backpulver benutzen oder Sauerteig. Sauerteig ist ein Teig, von dem man immer ein bisschen ĂŒbrig lĂ€sst, um ihn fĂŒr das nĂ€chste Brot wiederverwenden zu können. Nur wenig davon genĂŒgt und es macht den ganzen Teig sĂ€uerlich, da es sich im ganzen Teig ausbreitet, wenn man es dazu mischt.

In den meisten FĂ€llen verbietet die Tora, gesĂ€uertes Brot zum Altar zu bringen. Sauerteig kann symbolisch fĂŒr SĂŒnde stehen, die oft so klein anfĂ€ngt und uns dann ganz durchdringt. Davon spricht auch Paulus in 1. Korinther 5, 6-8:

„Euer RĂŒhmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsĂ€uert? Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesĂ€uert seid! Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. Darum lasst uns das Fest feiern, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit UngesĂ€uertem der Lauterkeit und Wahrheit!“

Genau diese Reinigung von SĂŒnde wird in der Zeit vor dem Passafest deutlich: Symbolisch werden die HĂ€user von allem gesĂ€uerten Brot gereinigt und man isst eine Woche lang nur ungesĂ€uertes Brot. Die endgĂŒltige Befreiung und Reinigung von SĂŒnde erfĂŒllt sich im Opfer Jeschuas am Kreuz.

Warum soll nun an Schavuot gerade gesĂ€uertes Brot geopfert werden? Ist Gott die Bedeutung SĂŒnde hier etwa egal? Nein! Jedoch steckt hierin der tiefe Zuspruch Gottes, ehrlich zu ihm zu kommen, mit allen SĂŒnden und Fehlern.

Schavuot ist also ein Fest, wo es auch um die Beziehung zu Gott geht: Wir können vor Gott ehrlich sein, weil er uns liebt, wie wir sind. Und da er SĂŒnde in uns hasst, bietet er uns an, sie durch Jeschua wegzunehmen.

Schavuot ist so auch ein Fest des Wartens auf die Erlösung und Vergebung. Durch Jeschua können wir Erlösung und Vergebung erfahren. Wir mĂŒssen nicht lĂ€nger darauf warten, da Jeschua alles erfĂŒllt hat. Das ist eine große Freude! Dennoch wollen wir aber auch die Menschen im Gebet nicht vergessen, die Jeschua noch nicht kennen.

Betet besonders fĂŒr das jĂŒdische Volk, das zu einem großen Teil noch nicht erkannt hat, dass ihr Messias Jeschua schon gekommen ist. Betet, dass sie verstehen, dass sie nicht nur mit ihren SĂŒnden zu Gott kommen dĂŒrfen, sondern dass Gott selbst die Schuld durch seinen Sohn Jeschua wegnehmen möchte!

Mögen viele Menschen an Schavuot mit Gottes Geist erfĂŒllt werden und Gottes Sohn Jeschua, den jĂŒdischen Messias erkennen!

Chag Schavuot Sameach! Ein frohes Schavuot.

Deborah Sommer

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