Schawuot im Neuen Bund

Die meisten Christen sind mit Lukas´ Beschreibung der Pfingstereignisse in der Apostelgeschichte 2 und ihrer Bedeutung für die Gründung der Urgemeinde vertraut. Allerdings sind nur wenige sich des jüdischen Hintergrundes bis heute bewusst. Der jüdische Name für diesen Feiertag ist „Schawuot“, was “Wochen” bedeutet. Schawuot ist ein Erntedankfest, welches das Ende der Gerstenernte und die ersten Früchte der Weizenernte feiert (Ex. 34:22; Num. 28:26; Deut. 16:10). Der Begriff Pfingsten ist ein griechisches Wort, welches sich auf den fünfzigsten Tag der Erntezählung nach dem Passahfest bezieht (Lev. 23,15-16). Es ist eines der drei Pilgerfeste, wenn jüdische Menschen nach Jerusalem reisen (Ex. 23:16-17; 34:22-23; Deut. 16:10, 16).

Nach jüdischer Überlieferung stellt Schawuot das jährliche Gedenken an den Tag dar, an dem Gott die Thora der Nation Israel auf dem Berg Sinai gegeben hat (Ex. 19,1-6). Die ganze Nation feiert den Jahrestag des Bundes, den Gott mit Israel eingegangen ist- am selben Tag erfüllte Gott außerdem auch sein Versprechen, den Heiligen Geist zu senden. Die Parallelen zwischen der Abgabe der Thora und der Gabe des Heiligen Geistes durch Gott verstärken die Bedeutung der Ankunft des verheißenen Geistes Gottes an Pfingsten.

Lukas’ Beschreibung der Ereignisse in Apostelgeschichte 2 zeigt den engen Zusammenhang zwischen der Hingabe der Thora an Schawuot und der Hingabe des Heiligen Geistes an Pfingsten auf verschiedene Weise.

  1. Erstens erwähnt Lukas Zungen “wie Feuer”, die auf die Jünger herabsteigen (Apg 2,3). Ebenso erschien Gott Mose auf dem Berg Sinai in Form von Feuer (Ex. 19,18-19).
  2. Zweitens verbindet die spätere jüdische Tradition mehrere Zungen (Sprachen) mit den Ereignissen im Sinai: Der Talmud sagt jedes Wort, das aus Gottes Mund kommt, “aufgeteilt in siebzig Sprachen” (b. Shab 88b).
  3. Drittens beschreibt Lukas einen Klang wie “das Ausblasen eines heftigen Windes” (2:2). Obwohl im Bericht im Exodus kein Wind erwähnt wird, sagt Josephus, der jüdische Historiker, dass es starke Winde gab, die am dritten Tag des Aufenthalts Israels auf dem Sinai zu einem mächtigen Sturm wurden (J. Ant. 3,80).
  4. Viertens führte die Verkündigung des Evangeliums durch Petrus zu 3.000 Neubekehrten (Apg 2,41). Lukas’ Erwähnung hier deutet auf die Wiederherstellung der 3.000 Individuen hin, die starben, als die Nation gegen Gott rebellierte, indem sie ein goldenes Kalb am Fuße des Berges Sinai verehrten (Ex. 32,1-29). Schließlich war die Feier von Schawuot der Tag, an dem Israel Gott die ersten Früchte seiner Weizenernte anbot (Num. 28,26). Da Schawuot die Feier der ersten Früchte Israels ist, nutzt Lukas diese Beziehung, um zu zeigen, wie der Geist das Erlösungswerk Gottes beginnt (Römer 8,23).

Die hebräische Bibel freut sich auf die Ereignisse, die sich an Schawuot erfüllt haben. Die Thora erwartete eine Zeit, in der Israel es versäumen würde, Gottes Gebote zu halten. Dies ist aber nicht das Ende der Geschichte. Gott versprach auch, sein Volk in ihr Land zurückzubringen und ihre Herzen zu beschneiden (Deut. 30,1-6). Der Prophet Jeremia erwartet einen “neuen Bund” zwischen Gott und Israel, wenn Gott seinen Bund in die Herzen seines Volkes eingravieren würde, im Gegensatz zu dem Bund, den er auf Steintafeln geschrieben hat (Jer. 31,31-34). Die Hoffnung auf eine wiederhergestellte Beziehung zu Gott steht im Mittelpunkt von Jeremias Verheißung eines erneuerten Bundes mit Israel, denn Gott würde seinem Volk vergeben und seine Herzen verändern (Jer 31,33-34).

Lukas weist auf die Erfüllung dieser Versprechen an Schawuot hin (Apg 2,1-4.17-21.33.37-39). So war die Gabe des Geistes an Schawuot ein Beweis für das Erlösungswerk des Messias und die Bestätigung des neuen Bundes. Die Innewohnung des Geistes Gottes in seinem Volk zeigt eine Veränderung in der Art und Weise, wie Gott sich auf uns bezieht, während Er die Herzen seines Volkes durch die Kraft des Geistes verwandelt.

Von Chosen People Ministries

 

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